Mögliche Anzeichen für eine Lese-Rechtschreibschwäche und Rechenschwäche

Mögliche Anzeichen für eine Lese-Rechtschreibschwäche und Rechenschwäche

Inhaltsverzeichnis

In dieser Folge des Podcasts „Potenzialfrei!?“ bespricht Mio Lindner mögliche Anzeichen für eine Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie / LRS) und Rechenschwäche. Diese Schwächen werden oft im Grundschulalter auffällig, können aber auch erst später im Leben entdeckt werden. Manche Kinder entwickeln Vermeidungs- und Kompensationsstrategien, um ihre Schwierigkeiten zu verbergen.

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Mögliche Anzeichen für LRS und Rechenschwäche können sein

Eine Checkliste kann erste Hinweise auf eine LRS oder Rechenschwäche geben, jedoch ist es wichtig zu betonen, dass viele Anzeichen auch Kompetenz- und Vermeidungsstrategien sein können. Solche Strategien können ein eigenes großes Feld darstellen, welches eine gründliche Diagnose und professionelle Beratung erfordert.

Resignation und Vermeidungsstrategien können sich bei Betroffenen unterschiedlich äußern. Ein Anzeichen für eine geringe Frustrationsgrenze ist beispielsweise, dass Betroffene schnell aufgeben oder Aussagen treffen wie „Das kann ich sowieso nicht“. Die Hausaufgabensituation stellt für Kinder mit LRS oder Rechenschwäche oft eine hohe Belastung dar, da sie viel Hilfe benötigen oder die Aufgaben nicht selbstständig lösen können.

„Schwierigkeiten beim Erlernen von Buchstaben, Lauten und Zahlen. Schwierigkeiten beim Reimen oder Sortieren von Wörtern oder Buchstaben.“

— Mio Lindner

Anzeichen im Schulalter:

  • Schwierigkeiten beim Lesen von Texten und Verstehen des Inhalts
  • Schwierigkeiten beim Schreiben von Wörtern und Sätzen, häufige Rechtschreibfehler
  • Schwierigkeiten beim Rechnen, Verstehen von mathematischen Konzepten und Anwenden von Rechenregeln

Verhaltensanzeichen:

  • Resignation und Vermeidungsstrategien wie Aufgaben nicht erledigen, Hausaufgaben vergessen oder verweigern
  • Geringe Frustrationsgrenze, schnelles Aufgeben bei Schwierigkeiten
  • Hohe familiäre Belastung durch Hausaufgaben

Konzentrationsschwäche als Anzeichen (bei LRS und Rechenschwäche):

  • Auffällig kurze Aufmerksamkeitsspanne bei Lese-, Schreib- oder Rechenaufgaben, obwohl sich das Kind bei anderen Tätigkeiten gut konzentrieren kann
  • Schnelle Erschöpfung und Ablenkbarkeit, sobald Buchstaben, Wörter oder Zahlen automatisiert verarbeitet werden müssten
  • Häufiges Verlieren der Zeile, der Aufgabenstellung oder der Rechenschritte

Konzentrationsschwäche ist kein Anzeichen, das nur bei einer der beiden Störungen auftritt. Nach der deutschen S3-Leitlinie zu ADHS treten Lernstörungen wie Legasthenie / LRS oder isolierte Rechenstörungen bei 10 bis 25 % der Kinder mit ADHS auf; kommen ADHS und eine Lernstörung zusammen vor, verstärken sich die schulischen Probleme zusätzlich (AWMF, 2018). Auch unabhängig von einer ADHS kann Konzentrationsschwäche entstehen, einfach weil Lesen, Schreiben oder Rechnen für das Kind deutlich anstrengender ist als für Mitschüler:innen und die Aufmerksamkeit dadurch schneller nachlässt.

Es ist wichtig, eine LRS oder Rechenschwäche frühzeitig zu erkennen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die bestmögliche Unterstützung zu bieten. Eine Diagnose kann auch eine Erleichterung sein, da sie den Betroffenen und ihren Familien die Ursache für die Schwierigkeiten aufzeigt und gezielte Maßnahmen eingeleitet werden können.

Anzeichen von Lese-, Schreib- und Rechenschwäche

Lese-, Schreib- und Rechenschwächen können bei Kindern auf unterschiedliche Weise in Erscheinung treten. Es kann vorkommen, dass sich das Kind plötzlich weigert, in die Schule zu gehen oder Bauchschmerzen und Schwindelgefühle vortäuscht, um der Schule fernzubleiben. Auch häufige Krankheiten oder schlechte Noten können Anzeichen sein, dass das Kind Schwierigkeiten hat.

Diese Anzeichen treten oft zu einem Zeitpunkt auf, an dem schulische Grundlagen im Lesen, Schreiben und Rechnen vorausgesetzt werden. Wenn die Kinder sich neues Wissen selbst erarbeiten sollen oder selbstständig Aufgabenstellungen lesen und umsetzen müssen, kann es zu Problemen kommen. Insbesondere dann, wenn die Anforderungen in allen Bereichen steigen und automatisierte Prozesse im Lesen, Schreiben und Rechnen noch nicht ausreichend gefestigt sind.

Ein Schulwechsel oder eine neue Lehrkraft können dazu führen, dass Entwicklungsverzögerungen plötzlich zum Vorschein kommen. Auch kreative Kompensations- und Vermeidungsstrategien können darauf hinweisen, dass etwas nicht stimmt. Es ist daher wichtig, genau hinzusehen und zu hinterfragen, welche Reaktionen das Kind zeigt und ob ein Muster zu erkennen ist.

Einige weitere Anzeichen, die auf Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder im mathematischen Bereich hinweisen können, sind:

  • Verwechseln von Buchstaben oder Zahlen
  • Auslassen oder Hinzufügen von Buchstaben oder Wörtern
  • Schlechte Lesefähigkeit oder Verständnis
  • Schlechte Schreibfähigkeit oder Rechtschreibung
  • Schwierigkeiten im Zahlenverständnis oder Rechnen
  • Langsames Arbeitstempo

Eine Checkliste kann dabei helfen, diese Anzeichen zu erkennen. Jedoch ist es wichtig zu betonen, dass eine Checkliste nur bedingt helfen kann und das Ergebnis aus der Beantwortung einer Checkliste keine fundierte Aussage ist. Es gibt auch nicht die typischen Fehler, sondern die Fehler, die bei Menschen auftreten, die einfach Schwierigkeiten haben.

Um eine Lese-, Schreib- oder Rechenschwäche zu diagnostizieren, sollte man sich mit dem Kind auf den Weg machen und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Eine frühzeitige Förderung kann dazu beitragen, dass das Kind seine Schwächen überwinden und erfolgreich lernen kann.

Mehr zum Thema in meiner Podcastfolge „Anzeichen für LRS oder RS“: eine Solo-Folge, in der ich ausführlicher auf mögliche Anzeichen bei LRS und Rechenschwäche eingehe.

Häufige Fragen

Wie kann man Legasthenie erkennen?
Anhand von Symptomen wie eingeschränkter Lautverschmelzung, niedriger Lesegeschwindigkeit, häufigem Stocken oder Verlieren der Zeile im Text sowie Auslassen, Vertauschen oder Hinzufügen von Wörtern, Silben oder einzelnen Buchstaben.

Kann man Dyskalkulie und Legasthenie gleichzeitig haben?
Ja, das kommt vor. Wie oft, hängt stark von Studie und Definition ab: Internationale Zahlen schwanken zwischen 17 und 64 %, eine deutsche Studie fand eine kombinierte Lese-Rechtschreib- und Rechenstörung bei 4,2 % der Kinder gegenüber 2,2 % mit einer isolierten Rechenstörung (Landerl & Fussenegger, 2007). Die aktuelle Evidenz spricht dabei eher für zwei neurokognitiv eigenständige Störungen als für eine gemeinsame Ursache.

Können Legastheniker rechnen?
Ja, aber sie können Schwierigkeiten haben, Textaufgaben zu verstehen oder höhere Mathematik zu beherrschen.

Verwendete Quellen