Anzeichen für Legasthenie / LRS und Dyskalkulie / Rechenschwäche

Inhaltsverzeichnis

Du fragst dich, ob dein Kind eine Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie / LRS) oder eine Dyskalkulie / Rechenschwäche hat? Verständlich. In meiner Podcast-Folge „Potenzialfrei!?“ gehe ich genau dieser Frage nach, denn sie begegnet mir ständig. Anzeichen zeigen sich unterschiedlich, je nach Kind, je nach Alter, je nach Persönlichkeit.

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Verhaltensanzeichen

  • Resignation und Vermeidungsstrategien wie Aufgaben nicht erledigen, Hausaufgaben vergessen oder verweigern
  • Geringe Frustrationsgrenze, schnelles Aufgeben bei Schwierigkeiten
  • Hohe familiäre Belastung durch Hausaufgaben
  • Plötzlicher Leistungsabfall in mehreren Schulfächern

Ausführlich dazu: Verhalten und Lernstörungen: Bewältigungsstrategien bei Legasthenie / LRS und Dyskalkulie / Rechenschwäche.

Beispiel aus der Praxis: Luisa traute sich lange nicht allein Bus zu fahren, weil sie die Anzeigetafel nicht schnell genug lesen konnte. Einkaufen allein vermied sie ebenfalls, aus Angst, die Zutatenliste nicht zu verstehen. Speisekarten, Straßennamen, Verpackungen: Alltägliches, das ohne Legasthenie / LRS niemand hinterfragt, bremst so die Selbstständigkeit.

Konzentrationsschwäche als Anzeichen

  • Auffällig kurze Aufmerksamkeitsspanne bei Lese-, Schreib- oder Rechenaufgaben, obwohl dein Kind sich bei anderen Tätigkeiten gut konzentrieren kann
  • Schnelle Erschöpfung und Ablenkbarkeit, sobald Buchstaben, Wörter oder Zahlen automatisiert verarbeitet werden müssten
  • Häufiges Verlieren der Zeile, der Aufgabenstellung oder der Rechenschritte

Nicht jede Konzentrationsschwäche gehört nur zu einer der beiden Störungen. Nach der deutschen S3-Leitlinie zu ADHS treten Lernstörungen wie Legasthenie / LRS oder isolierte Rechenstörungen bei 10 bis 25 % der Kinder mit ADHS auf. Kommen beide zusammen vor, verschärfen sich die schulischen Probleme zusätzlich (AWMF, 2018). Aber auch ohne ADHS kann Konzentration nachlassen, einfach weil Lesen, Schreiben oder Rechnen für dein Kind deutlich anstrengender ist als für die Mitschüler:innen.

Genau hinsehen. Das Muster erkennen. Und dann professionelle Beratung holen: Danach lässt sich beschreiben, was wirklich dahintersteckt, statt nur zu vermuten.

Eine Checkliste kann ein erster Hinweis sein. Nicht mehr. Viele der Anzeichen sind nämlich auch etwas anderes: Kompensations- und Vermeidungsstrategien. Ein Kind, das schnell aufgibt und sagt „Das kann ich sowieso nicht“, zeigt vielleicht keine Faulheit, sondern eine geringe Frustrationsgrenze. Und die Hausaufgaben? Für viele Familien mit Legasthenie / LRS oder Dyskalkulie / Rechenschwäche eine der größten Belastungen im Alltag.

Schulangst als Anzeichen

Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen morgens vor der Schule, plötzliches Trödeln, die Frage „Muss ich da wirklich hin?“: Schulangst zeigt sich oft körperlich, nicht als klar ausgesprochene Sorge. Ausführlich dazu: Schulangst bei Legasthenie / LRS oder Dyskalkulie / Rechenschwäche.

Vermeidung und Kompensation als Anzeichen

Manche Kinder verstecken ihre Schwierigkeiten so geschickt, dass jahrelang niemand etwas merkt: Aufgaben aufschieben, Ausreden erfinden, sich beim Vorlesen krankmelden. Ausführlich dazu: Vermeidungs- und Kompensationsstrategien.

Beispiel aus der Praxis: Boris, 6. Klasse. Die Angst zu versagen saß so tief, dass er Hausaufgaben lieber erst gar nicht richtig anfing, als sie falsch zu machen. Er ließ sich ablenken, immer wieder, von allem, was gerade greifbar war. Was in zwanzig Minuten erledigt gewesen wäre, zog sich bis spät in den Abend. Nicht, weil er nicht wollte, sondern weil jede Aufgabe wie eine neue Gelegenheit zum Scheitern wirkte. Mit jedem verlorenen Abend sank sein Vertrauen in sich selbst ein Stück mehr. Erst die Lerntherapie durchbrach diesen Kreislauf: Boris lernte, seiner Angst nicht mehr auszuweichen, sondern ihr mit konkreten Strategien zu begegnen. Seine Konzentration hielt länger, und zum ersten Mal seit langem saß er nicht mehr allein mit seiner Angst am Schreibtisch.

Ausführliche Anzeichen nach Alter und Thema

Die Anzeichen unterscheiden sich je nach Alter und danach, ob Lesen/Schreiben oder Rechnen betroffen ist. Genauer wird es hier:

Mehr zum Thema in meiner Podcastfolge „Anzeichen für LRS oder RS“: eine Solo-Folge, in der ich ausführlicher auf mögliche Anzeichen bei Legasthenie / LRS und Dyskalkulie / Rechenschwäche eingehe.

Häufige Fragen

Wie kann man Legasthenie / LRS erkennen?
Anhand von Symptomen wie eingeschränkter Lautverschmelzung, niedriger Lesegeschwindigkeit, häufigem Stocken oder Verlieren der Zeile im Text sowie Auslassen, Vertauschen oder Hinzufügen von Wörtern, Silben oder einzelnen Buchstaben.

Kann man Dyskalkulie / Rechenschwäche und Legasthenie / LRS gleichzeitig haben?
Ja, das kommt vor. Wie oft, hängt stark von Studie und Definition ab: Internationale Zahlen schwanken zwischen 17 und 64 %, eine deutsche Studie fand eine kombinierte Lese-Rechtschreib- und Rechenstörung bei 4,2 % der Kinder gegenüber 2,2 % mit einer isolierten Rechenstörung (Landerl & Fussenegger, 2007). Die aktuelle Evidenz spricht dabei eher für zwei neurokognitiv eigenständige Störungen als für eine gemeinsame Ursache.

Können Menschen mit Legasthenie / LRS rechnen?
Ja, aber sie können Schwierigkeiten haben, Textaufgaben zu verstehen oder höhere Mathematik zu beherrschen.

Quellen