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Druck ist ein Thema, dem ich als Lerntherapeut immer wieder in verschiedenen Formen begegne: Druck, der von der Schule ausgeht. Druck, der von den Eltern kommt. Und innerer Druck, den sich Kinder mit LRS oder Rechenschwäche selbst machen. Egal welche Form, permanenter erheblicher Druck ist meist das Erste, was ich in der Lerntherapie zu verringern versuche, denn er hat massive Auswirkungen auf unsere „kleinen Riesen“.
Lieber hören statt lesen? Weiter unten geht es zu meiner Podcastfolge zum Thema.
Äußerer Druck: woher er kommt
Äußerer Druck entsteht durch Erwartungen oder Anforderungen von außen: elterliche Erwartungen an Noten oder außerschulische Leistungen, der Vergleich mit Geschwistern, große Arbeitsmengen und Prüfungen in der Schule, strenge Lehrkräfte mit wenig individueller Unterstützung, Konkurrenz oder Mobbing unter Gleichaltrigen, und nicht zuletzt gesellschaftliche Erwartungen an Erfolg.
Innerer Druck: was Kinder sich selbst auferlegen
Innerer Druck entsteht im Kind selbst: Perfektionismus, die Überzeugung, keine Fehler machen zu dürfen. Selbstzweifel und Angst vor Versagen. Der ständige Vergleich mit Mitschülerinnen und Mitschülern. Selbst auferlegte Ziele, zum Beispiel der oder die Beste der Klasse sein zu wollen. Und die Angst, Eltern oder Lehrkräfte zu enttäuschen.
Wenn sich beides gegenseitig hochschaukelt
Äußerer und innerer Druck verstärken sich oft gegenseitig. Ein Beispiel: Ein Kind spürt, dass die Eltern ungeduldig werden und erwarten, dass es endlich den Anforderungen der Schule entspricht. Es wird dazu gedrängt, jeden Tag nach der Schule stundenlang zu lernen, auch am Wochenende bleibt kaum Zeit zum Spielen, das ist äußerer Druck. Das Kind beginnt daraufhin, sich selbst unter Druck zu setzen, um diese Erwartungen zu erfüllen, und entwickelt Angst davor, Fehler zu machen, das ist innerer Druck.
Diese elterliche Ungeduld kommt selten aus Strenge, sondern meistens aus eigener Erschöpfung. Eine systematische Übersichtsarbeit zu Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf zeigt deutlich erhöhte Stresswerte bei diesen Eltern, mit direkten Auswirkungen auf die Erziehungsqualität und die Familienbeziehung. Dieselbe Untersuchung zeigt aber auch: professionelle und soziale Unterstützung hilft, genau diesen Druck zu regulieren, bevor er beim Kind ankommt. Wie so ein Netzwerk für dich als Elternteil aussehen kann, liest du in „Du gibst deinem Kind Kraft, aber wer gibt sie dir?“.
Warnsignale, die Eltern kennen sollten
Permanenter Druck wirkt sich messbar auf das emotionale, geistige und körperliche Wohlbefinden aus. Achte auf folgende Anzeichen bei deinem Kind:
- Körperlich: häufigere Infekte, weil chronischer Stress das Immunsystem schwächt.
- Überforderungsgefühl: schon kleine Aufgaben wirken unüberwindbar.
- Innere Leere: Desinteresse an Dingen, die früher Freude gemacht haben.
- Reizbarkeit: geringe Reizschwelle, häufige Frustration schon bei kleinen Anlässen.
- Rückzug: Distanzierung von Freunden und Familie, sozialer Rückzug.
- Konzentrationsschwierigkeiten: Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren oder klar zu denken.
- Pessimismus: das Gefühl, nichts sei gut genug, verbunden mit Mangel an Motivation.
Diese Anzeichen können auf ein Kind hindeuten, das über längere Zeit im Teufelskreis aus Misserfolg, Selbstzweifel und Vermeidung feststeckt, wie ich ihn in „Schulangst bei LRS oder Rechenschwäche“ genauer beschreibe.
Was die Forschung sagt
Dass chronischer Druck das Immunsystem schwächt, ist einer der am besten belegten Befunde der Stressforschung überhaupt: Eine Metaanalyse über 30 Jahre Forschung zu psychologischem Stress und dem menschlichen Immunsystem bestätigt den Zusammenhang zwischen anhaltendem Stress und geschwächter Immunabwehr durchgehend.
Die Erschöpfungs-Anzeichen aus der Liste oben sind zudem kein diffuses Gefühl, sondern lassen sich einem eigenen, in der Forschung anerkannten Konzept zuordnen: dem Schul-Burnout. Es beschreibt genau die Kombination aus Erschöpfung durch schulische Anforderungen, zynischer oder distanzierter Haltung gegenüber der Schule und dem Gefühl, als Lernende oder Lernender nicht zu genügen, wie sie im validierten School Burnout Inventory erfasst wird.
Warum „einfach mehr üben“ den Druck oft noch verstärkt
Bei vielen Kindern mit unerkannten Lernschwierigkeiten fängt es damit an, dass zu Hause immer mehr geübt wird, bis kaum noch Zeit ohne Lernen bleibt. Doch mehr Üben hilft oft nicht, sondern verstärkt den Druck: Frustration durch ausbleibende Erfolge, Verlust der Lernfreude, wachsende Selbstzweifel bis hin zu „Ich bin einfach zu dumm dafür“. Wenn dein Kind ohne Verständnis der Grundlagen übt, prägen sich außerdem falsche Methoden ein, die später schwerer zu korrigieren sind. Und das Gehirn braucht Pausen, um neue Informationen überhaupt verarbeiten zu können.
Konkrete, kleinschrittige Wege, wie du deinem Kind aus diesem Muster heraushilfst, findest du in „Wenn dein Kind nicht mehr an sich glaubt“. Welcher Mut deinem Kind hilft, trotz des Drucks weiterzumachen, zeige ich in „5 Mut-Strategien, die bei LRS & Rechenschwäche wirklich helfen“.
„Der Fokus sollte nicht auf der bloßen Menge an Übung liegen, sondern darauf, das Lernen sinnvoll zu gestalten und Verständnis sowie Motivation zu fördern.“
— Mio Lindner
Mehr zum Thema in meiner Podcastfolge „Druck bei LRS & Rechenschwäche: Diese Warnsignale sollten Eltern kennen“: woher äußerer und innerer Druck kommt und wie du deinem Kind hilfst, ihn wieder loszulassen.
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(Die Buchung läuft über das Duden Institut International-Online, das ich selbst gegründet habe, kein anderer Anbieter.)
Verwendete Quellen
Segerstrom, S. C., & Miller, G. E. (2004). Psychological stress and the human immune system: A meta-analytic study of 30 years of inquiry. Psychological Bulletin, 130(4), 601–630. doi.org/10.1037/0033-2909.130.4.601
Salmela-Aro, K., Kiuru, N., Leskinen, E., & Nurmi, J.-E. (2009). School Burnout Inventory (SBI): Reliability and Validity. European Journal of Psychological Assessment, 25(1), 48–57. doi.org/10.1027/1015-5759.25.1.48
Cheng, A. W. Y., & Lai, C. Y. Y. (2023). Parental stress in families of children with special educational needs: a systematic review. Frontiers in Psychiatry, 14, Artikel 1198302. doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1198302

