Inhaltsverzeichnis
- Wozu überhaupt eine Diagnose? Zwei gute Gründe
- Wer darf eine Diagnose stellen, und was gilt, wenn ich als Kind nie getestet wurde?
- Meine Schnelltest-Checkliste: in wenigen Minuten zur ersten Einschätzung
- Was ein Nachteilsausgleich bringt und warum er dir zusteht
- Echte Geschichten von Erwachsenen mit LRS/Legasthenie
- Wie geht es nach dem Test weiter?
- Häufige Fragen
- Quellen
Liest du langsamer als andere? Brauchst du für E-Mails oder Berichte spürbar mehr Zeit? Oder passieren dir Rechtschreibfehler bei Wörtern, die du eigentlich kennst? Für viele Erwachsene ist das kein neues Problem: nur eins, das nie einen Namen bekommen hat. Wer als Kind durchs Raster gefallen ist, trägt die Unsicherheit oft noch Jahre später mit sich herum. Hier erfährst du in einfachen Worten: Was ein Test bei Erwachsenen zeigen kann. Wie du in wenigen Minuten eine erste Einschätzung bekommst. Und welche Schritte danach sinnvoll sind.
Lieber hören statt lesen? Weiter unten erzählen echte Podcast-Gespräche von Erwachsenen mit LRS/Legasthenie.
Wozu überhaupt eine Diagnose? Zwei gute Gründe
Bevor du den Weg zu einer standardisierten Diagnose gehst, lohnt sich eine Frage an dich selbst: Warum will ich das eigentlich wissen? Die Antwort entscheidet, welcher Weg für dich der richtige ist und ob du überhaupt eine vollständige Diagnose brauchst oder erstmal etwas Einfacheres reicht.
Es gibt zwei Gründe, warum sich eine echte Diagnose lohnen kann:
- Für dich selbst. Viele Erwachsene wollen einfach verstehen, warum ihnen Lesen und Schreiben schon immer schwerer gefallen ist als anderen. Eine Diagnose kann diese Frage beantworten und entlasten: Es lag nie an dir oder daran, dass du dich nicht genug angestrengt hast.
- Um etwas nachzuweisen. Für einen Nachteilsausgleich, zum Beispiel mehr Zeit bei Prüfungen in Ausbildung, Studium oder Job, brauchst du meistens einen aktuellen Nachweis. Auch für manche Anträge auf Unterstützung ist ein Gutachten die Voraussetzung.
Was für dich der richtige Weg ist, hängt davon ab, was du erreichen willst. Das klären wir am besten gemeinsam.
Wer darf eine Diagnose stellen, und was gilt, wenn ich als Kind nie getestet wurde?
Legasthenie entsteht nicht erst im Erwachsenenalter. Sie ist angeboren und bleibt ohne Unterstützung meist ein Leben lang bestehen (BVL, 2018). Trotzdem bleibt sie bei vielen Erwachsenen lange unentdeckt: Wer als Kind durchs Raster gefallen ist, findet oft eigene Wege, die Schwierigkeiten zu verstecken. „Nie getestet“ heißt eben nicht „nicht betroffen“.
Eine Diagnose darf nur eine Fachärztin oder ein Facharzt stellen. Bis zum 18. Geburtstag sind das Kinder- und Jugendpsychiater:innen oder entsprechend ausgebildete Therapeut:innen. Ab 18 sind Fachärzt:innen für Erwachsenenpsychiatrie zuständig, oder Psychotherapeut:innen mit staatlicher Zulassung (BVL, 2018).
Das ist in der Praxis der schwierigste Teil: Diese Praxen haben mit Legasthenie bei Erwachsenen selten zu tun (Maurer, 2025), auch weil die gängigen Testverfahren ursprünglich für Kinder entwickelt wurden. Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie beschreibt einen Weg, der in der Praxis manchmal einfacher ist: Eine zertifizierte Lerntherapeutin oder ein zertifizierter Lerntherapeut führt zuerst die standardisierten Lese- und Rechtschreibtests durch, die Ergebnisse fließen dann in die Beurteilung von Ärzt:in oder Psychotherapeut:in ein (BVL, 2018). Ob das für dich infrage kommt, klären wir am besten im Erstgespräch.
Was ich dir direkt anbieten kann, ganz ohne Facharzttermin: eine Förderdiagnostik, komplett online. Sie zeigt dir, wo genau deine Schwierigkeiten liegen, und ist die Grundlage für eine gezielte Förderung. Sie ersetzt aber keine Diagnose nach ICD; die brauchst du nur, wenn du sie für einen Antrag nachweisen musst (siehe oben).
Eine Checkliste oder ein Online-Test ersetzt diese fachärztliche Diagnose nicht. Was er aber kann: dir eine erste, begründete Einschätzung geben, bevor du Zeit und Geld in einen Termin investierst.
Meine Schnelltest-Checkliste: in wenigen Minuten zur ersten Einschätzung
Ich habe dafür eine kurze Checkliste speziell für Erwachsene zusammengestellt, in Ich-Form und ohne Fachbegriffe. Du beantwortest ein paar Fragen zu deiner Kindheit und zu deinem Alltag beim Lesen und Schreiben. Direkt danach bekommst du eine erste Einordnung.
(Der Schnelltest läuft über das Duden Institut International-Online, das ich selbst gegründet habe, kein anderer Anbieter.)
Wichtig: Auch dieser Schnelltest ist eine Selbsteinschätzung, keine Diagnose. Er hilft dir aber, deine Situation besser einzuordnen und zu entscheiden, ob sich ein nächster Schritt lohnt.
Was ein Nachteilsausgleich bringt und warum er dir zusteht
Ein Nachteilsausgleich bedeutet zum Beispiel mehr Zeit bei Prüfungen oder die Erlaubnis, Hilfsmittel zu nutzen. Er ist kein Geschenk, sondern ein Recht: verankert im Grundgesetz (Artikel 3) und seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 22. November 2023 noch einmal klar bestätigt (Maurer, 2025). In Ausbildung und Studium wird er in der Praxis meist leichter gewährt als in der Schule.
Du bist mit deiner Frage nicht allein: Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie geht für Deutschland von 3 bis 8 von 100 Kindern und Erwachsenen aus, die betroffen sind: umgerechnet 3,3 bis 9,9 Millionen Menschen (Böttcher & Venz, 2025). Für einen Antrag auf Nachteilsausgleich brauchst du in der Regel einen aktuellen Nachweis, egal ob in Ausbildung, Studium oder Beruf.
Mehr dazu, inklusive einem echten Präzedenzfall vor Gericht und konkreten Nachteilsausgleich-Formen für Dyskalkulie, findest du in meinem Artikel Nachteilsausgleich im Studium mit LRS oder RS. Für Nachteilsausgleich im Job, Hilfsmittel und offene Kommunikation mit dem Arbeitgeber: LRS im Job: Nachteilsausgleich und Tipps für erwachsene Menschen mit Legasthenie.
Echte Geschichten von Erwachsenen mit LRS/Legasthenie
Du bist mit deiner Situation nicht allein, und es gibt viele Wege, gut damit zu leben. In meinem Podcast rede ich mit Erwachsenen aus ganz unterschiedlichen Berufen darüber, wie sie ihren eigenen Weg mit LRS/Legasthenie gefunden haben.
Wie geht es nach dem Test weiter?
Zeigt deine Checkliste mehrere Anzeichen, ist der nächste sinnvolle Schritt ein Gespräch, kein Sprung direkt zum Facharzttermin. Am einfachsten klärst du das in einem kostenlosen, unverbindlichen Erstgespräch. Wir schauen gemeinsam: Was bedeuten deine Ergebnisse? Ist eine Förderdiagnostik oder ein Gutachten für dich der richtige Weg? Welche Unterstützung, etwa für einen Nachteilsausgleich, kommt für dich infrage?
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(Die Buchung läuft über das Duden Institut International-Online, das ich selbst gegründet habe, kein anderer Anbieter.)
Häufige Fragen
Ist der Schnelltest eine Diagnose?
Nein. Er gibt dir eine erste Einschätzung. Eine Diagnose nach ICD kann nur eine Fachärztin oder ein Facharzt stellen.
Lohnt sich ein Test noch, wenn ich als Kind nie auffällig war?
Ja. Viele Erwachsene wurden als Kind nie getestet, obwohl die Schwierigkeiten schon da waren, besonders wenn Schule oder Elternhaus die Anzeichen anders gedeutet haben. Legasthenie verschwindet nicht von allein.
Was kostet ein Gutachten?
Die Krankenkasse übernimmt die Diagnostik bei Erwachsenen meist nicht. Das solltest du vorher klären. Ein rein psychologisches Gutachten wird von vielen Stellen anerkannt und ist oft günstiger, zählt aber nicht als Diagnose nach ICD (BVL, 2018). Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns deine Situation an und finden den passenden, bezahlbaren Weg.
Bekomme ich als Erwachsene:r noch einen Nachteilsausgleich?
Ja, das ist möglich: in Ausbildung, Studium und teils auch im Beruf, siehe oben. Der genaue Weg hängt von deiner Situation ab.
Quellen
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung bei der Lese- und/oder Rechtschreibstörung, Registernummer 028-044, Langfassung (aktuell auf Kinder/Jugendliche ausgelegt, Überarbeitung mit Erwachsenen-Erweiterung noch nicht veröffentlicht).
- Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. (BVL) (2018): Legasthenie und Dyskalkulie im Erwachsenenalter – Ratgeber für Jugendliche und Erwachsene, 2. Auflage, insb. S. 5–7 (Diagnostik-Ablauf, Alters-Schwelle 18 Jahre, Kostenfrage) und S. 15 (Nachteilsausgleich).
- Böttcher, K. & Venz, L. (2025). Legasthenie am Arbeitsplatz: Psychosoziale Herausforderungen und Wege zu mehr Inklusion. In Böttcher, K. & Merkert, A. (Hrsg.), Neurodiversität und Legasthenie in Bildung und Beruf (Managementkonzepte, Bd. 41), S. 337. Nomos, Baden-Baden. Open Access (CC BY 4.0).
- Maurer, M. (2025). Rechtliche Rahmenbedingungen im Umgang mit Legasthenie und anderen Teilleistungsstörungen. Im selben Sammelband, S. 92, 94 f. (BVerfG, Urteil v. 22.11.2023, 1 BvR 2577/15)
- Grimm, T. & Grimm, M. (2025). Erfolgreich mit Legasthenie – Eine familiäre Perspektive auf Legasthenie in der Schule und im Berufsleben. Im selben Sammelband, S. 446. (OVG Schleswig-Holstein, Beschluss v. 19.8.2002, Az. 3 M 41/02)
