
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Legasthenie / LRS und wie zeigt es sich in der 1. und 2. Klasse?
- Was ist eine Lese- und Rechtschreibstörung?
- Typische Symptome von LRS in der 1. und 2. Klasse
- Fietes Geschichte: wenn ein leeres Blatt mehr erzählt als Faulheit
- Häufige Fragen zu LRS-Symptomen in der 1. und 2. Klasse
- Was die Wissenschaft sagt, und warum du nicht abwarten solltest
- Fazit für Legasthenie / LRS in der 1. und 2. Klasse
- Quellen
Der Beginn der Schulzeit ist für jedes Kind aufregend, doch für Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) / Legasthenie kann das Erlernen der Schriftsprache eine besondere Herausforderung darstellen.
Wie kannst du als Elternteil frühzeitig erkennen, ob dein Kind Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hat und welche Unterstützung es braucht? Gerade zu Beginn der 1. Klasse ist es nicht immer einfach, zwischen normalen Anfangsschwierigkeiten und tatsächlichen Anzeichen von LRS zu unterscheiden. Ich zeige dir, wie du die ersten Symptome von LRS erkennst, um deinem Kind frühzeitig zu helfen. Denn je früher du Unterstützung in Anspruch nimmst, desto besser sind die Chancen, dass dein Kind seine Schwierigkeiten überwinden kann.
Willst du wissen, ob das, was dir bei deinem Kind auffällt, auf eine LRS hindeuten könnte? Mit der Kurzanalyse bekommst du in wenigen Minuten eine erste Orientierung. Du beantwortest ein paar Fragen zu dem, was du beobachtest. Am Ende bekommst du vom Duden Institut International-Online per E-Mail eine Auswertung deiner Angaben. Sie ersetzt keine Diagnose, zeigt dir aber, ob sich ein genauerer Blick lohnt.
Lieber hören statt lesen? Weiter unten geht es zu meiner Podcastfolge zum Thema.
Was ist Legasthenie / LRS und wie zeigt es sich in der 1. und 2. Klasse?
In der ersten Klasse lernen alle Kinder das Lesen und Schreiben. Für die meisten ist das eine spannende und doch herausfordernde Zeit. Doch während viele Kinder mit den ersten Schritten in die Welt der Buchstaben und Worte gut zurechtkommen, haben Kinder mit LRS oft größere Schwierigkeiten. Diese Probleme bleiben häufig nicht auf die ersten Monate beschränkt. Oft zeigen sich die Herausforderungen erst später deutlicher, vor allem dann, wenn die Anforderungen in der Schule steigen.
Eltern, denen auffällt, dass bei ihren Kindern das Lesen und Schreiben nicht so einfach voranschreitet, hören häufig in der 1. oder 2. Klasse, dass noch alles in Ordnung ist. Doch spätestens in der 3. Klasse wird dann oft klar, dass das Kind große Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hat und dass sich schon eine große Entwicklungslücke zwischen Können und Anforderungen in der Schule aufgetan hat. Genau hier setzt die frühzeitige Erkennung an: Wenn du frühzeitig hinschaust, kannst du deinem Kind helfen, rechtzeitig die nötige Unterstützung zu bekommen.
Was ist eine Lese- und Rechtschreibstörung?
Eine Lese- und Rechtschreibstörung, auch bekannt als Legasthenie / LRS, ist eine Entwicklungsstörung, die sich schon bei Kindern in der 1. Klasse zeigen kann. Diese Teilleistungsstörung betrifft die Fähigkeit eines Kindes, flüssig zu lesen und korrekt zu schreiben. Kinder mit LRS haben Schwierigkeiten, Buchstaben den entsprechenden Lauten zuzuordnen, Wörter zu erlesen und zu schreiben.
Die standardisierte Diagnose nach ICD erfordert eine umfassende Untersuchung durch Fachärztinnen und Fachärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Bei jüngeren Kindern wird häufig noch abgewartet, eine standardisierte Diagnose zu stellen, da manche Kinder durch Zeit und gezielte Förderung die notwendigen Fähigkeiten entwickeln. Eltern spielen dabei eine wichtige Rolle: Durch die Zusammenarbeit von Eltern, Lehrkräften und Fachleuten können Kinder mit LRS erfolgreich in der Schule integriert und unterstützt werden.

„Du bist dir unsicher, ob das, was du bei deinem Kind beobachtest, wirklich auf eine Legasthenie / LRS hindeutet? Lass uns kurz darüber sprechen, ganz unverbindlich.“
— Mio Lindner
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Typische Symptome von LRS in der 1. und 2. Klasse
In der ersten und zweiten Klasse können sich bei Kindern mit LRS verschiedene Symptome zeigen, die auf eine Lese-Rechtschreib-Schwäche / Legasthenie hindeuten. Hier sind einige typische Anzeichen, auf die du achten solltest:
- Schwierigkeiten bei der Laut-Buchstaben-Zuordnung: Dein Kind hat Probleme, die Verbindung zwischen den Buchstaben und den Lauten zu erkennen. Zum Beispiel fällt es ihm schwer, dass der Buchstabe „B“ den Laut /b/ repräsentiert.
- Leseschwierigkeiten bei einfachen Wörtern: Auch bei häufigen und einfachen Wörtern, wie „Haus“, „Kind“ oder „Baum“, hat dein Kind Schwierigkeiten beim Lesen, obwohl es in anderen sprachlichen Bereichen gut vorankommt.
- Verwechslung ähnlicher Buchstaben oder Silben: Kinder mit LRS vertauschen oft ähnliche Buchstaben wie „b“ und „d“ oder „p“ und „q“. Auch bei Silben in Wörtern kann es zu Verwechslungen kommen.
- Langsame Lesegeschwindigkeit: Dein Kind liest langsamer als andere und muss beim Lesen von Wörtern oft laut buchstabieren.
- Schwierigkeiten bei Reimen und Wortklängen: Ein weiteres Anzeichen ist, wenn dein Kind Probleme hat, einfache Reime oder Klangähnlichkeiten zu erkennen.
- Stolpern beim Vorlesen: Beim Vorlesen stolpert dein Kind häufig über Wörter und muss oft zurückblättern, um sie richtig auszusprechen.
- Schwierigkeiten beim Schreiben und Buchstabieren: Fehler beim Schreiben von Wörtern sind häufig, und das Schriftbild wirkt unregelmäßig oder unleserlich.
- Frustration und Stress bei Lese- und Schreibaufgaben: Dein Kind zeigt Frustration, Angst oder Vermeidungstendenzen, wenn es darum geht, zu lesen oder zu schreiben. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass es sich davor drückt, laut vorzulesen oder Erlebnisse nachzuerzählen, oder sich zurückzieht, sobald Lesen und Schreiben ins Spiel kommen.
Kinder, die schon vor ihrer Schulzeit zusätzliche Unterstützung erhalten haben, sollten besonders im Blick behalten werden. Probleme beim Hören und ein mangelndes Lautbewusstsein können das Erlernen von Lesen und Schreiben erheblich erschweren. Gerade zu Beginn der 1. Klasse ist es nicht ungewöhnlich, dass bestimmte Fähigkeiten, die notwendig sind, um die Schriftsprache erfolgreich zu erwerben, noch nicht vollständig ausgebildet sind. In solchen Fällen ist es wichtig, besonders aufmerksam zu sein und die Entwicklung dieser Fähigkeiten genau zu beobachten.
Manche Kinder entwickeln dabei schon früh eigene Wege, um Schwierigkeiten zu umgehen: Vermeidungs- und Kompensationsstrategien bei LRS und Rechenschwäche.
Fietes Geschichte: wenn ein leeres Blatt mehr erzählt als Faulheit
Fiete war noch in der 1. Klasse, als ihn das Erlernen der Laut-Buchstaben-Zuordnung komplett überforderte. Die Zuordnung von Lauten auf Buchstaben überforderte ihn so sehr, dass er in einer Arbeit ein komplett leeres Blatt abgab, weil er kein Wort verstanden hatte. Seine Lehrerin schimpfte ihn vor der ganzen Klasse aus. Fiete war völlig verstört: Er verstand weder, warum sie so wütend war, noch, was er überhaupt falsch gemacht hatte. Nach diesem Ereignis war seine Beziehung zu seiner Lehrerin zutiefst erschüttert, und auch sein Vertrauen in die Schule war nachhaltig gestört.
Fietes Geschichte zeigt, wie schnell aus einer fachlichen Überforderung eine tiefe seelische Verletzung entstehen kann, wenn eine Lernschwierigkeit nicht als Signal für Unterstützungsbedarf erkannt wird. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf die Symptome schon in der 1. Klasse, bevor aus einer Lernschwierigkeit eine Verletzung wird, die weit über das Lesen und Schreiben hinausgeht. Diese und weitere Geschichten von Kindern mit Legasthenie und Dyskalkulie erzähle ich in meinem Buch „Umty: Leben mit Legasthenie und Dyskalkulie“.
Häufige Fragen zu LRS-Symptomen in der 1. und 2. Klasse
Wie kann man Kindern in der 1. und 2. Klasse helfen, die LRS-Symptome zu überwinden?
Lehrkräfte können gezielte Übungen anbieten und gleichzeitig psychische Entlastung geben, etwa indem das Kind nicht vor der ganzen Klasse vorlesen muss. Eltern können zu Hause unterstützen, indem sie gemeinsam lesen, Bücher auf dem Leselevel des Kindes bereitstellen und Schreibfähigkeiten gezielt üben. Wichtig ist außerdem, die Schule zu informieren, damit zusätzliche Hilfestellungen wie Nachteilsausgleich möglich werden.
Welche Ressourcen gibt es für Eltern?
Eine Fachperson, die auf Lese-Rechtschreib-Störungen / Legasthenie spezialisiert ist, kann die individuellen Bedürfnisse des Kindes einordnen und gezielte Empfehlungen aussprechen. Ergänzend helfen Bücher und Online-Ressourcen zum Thema sowie die Unterstützung durch die Schule.
Welche Methoden helfen deinem Kind am meisten?
Gute Förderung setzt auf intensive Leseübungen mit Fokus auf phonologische Bewusstheit, zum Beispiel durch Tandemlesen oder Silbenlesen. Frag in der Schule oder Lerntherapie gezielt nach solchen Methoden. Eine enge Zusammenarbeit zwischen dir, der Schule und Fachleuten wie Logopädinnen, Lerntherapeutinnen oder Psychotherapeutinnen ist entscheidend.
Wann solltest du Unterstützung suchen?
Kurzfristige Anfangsschwierigkeiten beim Lesen und Schreiben sind in der 1. Klasse normal. Werden diese Schwierigkeiten trotz regelmäßiger Übung zu Hause aber nicht besser, etwa wenn dein Kind am Ende der 2. Klasse noch nicht lautgetreu schreiben oder einfache, häufige Wörter nicht lesen kann, lohnt sich externe Hilfe. Ein weiteres Warnzeichen: wenn Üben zu Hause zunehmend zu Stress und Frustration für alle wird.
Was kannst du tun, wenn du dir unsicher bist?
Der wichtigste Schritt ist, professionelle Hilfe zu suchen. Eine qualifizierte Fachperson kann eine genaue Diagnose stellen und dir konkrete Tipps geben. Jedes Kind ist anders: Manche brauchen einfach etwas mehr Zeit, andere profitieren von gezielter Förderung. Je früher dein Kind gezielt unterstützt wird, desto mehr Chancen hat es, seine Schwierigkeiten zu überwinden.
Was die Wissenschaft sagt, und warum du nicht abwarten solltest
Nach der S3-Leitlinie der Fachgesellschaften (AWMF, Registernummer 028-044) betrifft eine Legasthenie / LRS etwa 6 bis 8 % der Kinder. Die Begriffe „Legasthenie“ und „LRS“ werden dabei übrigens nicht einheitlich getrennt, medizinisch zählt vor allem das Störungsbild selbst, nicht das Etikett.
Liegt eine Legasthenie / LRS in der Familie vor, ist das Risiko für dein Kind etwas höher: Ist ein Elternteil betroffen, liegt das Wiederholungsrisiko bei Geschwisterkindern bei 27 bis 45 % (Grimm, 2025). Das heißt aber nicht, dass sie bei deinem Kind genauso ausgeprägt sein muss. Selbst wenn eine Legasthenie / LRS in der Familie über Generationen läuft, müssen dafür ganz viele Faktoren zusammenkommen, die Veranlagung allein entscheidet nicht, wie stark sie sich zeigt.
Warum sich das frühe Hinschauen trotzdem lohnt, zeigt eine der bekanntesten deutschen Langzeitstudien: Kinder, deren Legasthenie / LRS im Grundschulalter erkannt und gefördert wurde, hatten deutlich bessere Chancen im weiteren Schulverlauf als Kinder, bei denen das nicht geschah (Esser, Wyschkon & Schmidt, 2002). Auch unsere eigene PuLs-Studie am Duden Institut für Lerntherapie zeigt, wie stark sich unbehandelte Lernschwierigkeiten auf das seelische Wohlbefinden von Kindern auswirken können (Huck & Schröder, 2015).
Ein Satz, den ich von unserer Logopädin Johanna Grimm aus meinem Team oft höre: „Es wird nicht einfacher, wenn man später ansetzt.“ In der 1. Klasse ist für viele Kinder schon erkennbar, wohin sich die Sache entwickelt. Wer bis zur 4. Klasse wartet, steht dann oft vor einer bereits fest verankerten Legasthenie / LRS, mit Vermeidungsverhalten und wenig Selbstvertrauen obendrauf. Und noch etwas, das Johanna zu Recht immer wieder betont: Die „das wächst sich aus“-Annahme ist einer der hartnäckigsten Mythen überhaupt.
Du kennst dein Kind am besten. Wenn dein Bauchgefühl sagt, dass etwas nicht stimmt, lass dich nicht abwimmeln, auch nicht von gut gemeinten „wir warten mal ab“-Kommentaren. Mehr dazu auch im Gespräch mit Johanna Grimm im Potenzialfrei?!-Podcast.
Fazit für Legasthenie / LRS in der 1. und 2. Klasse
Die Lese- und Rechtschreib-Störung (LRS) / Legasthenie bei Kindern der 1. und 2. Klasse ist ein Bereich, der viel Aufmerksamkeit und Unterstützung braucht. Die Symptome in diesem Alter können vielfältig sein, von Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen bis zu ersten Verhaltensänderungen. Entscheidend ist, dass Eltern und Lehrkräfte frühzeitig die Anzeichen erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Die Kurzanalyse dauert nur wenige Minuten. Die Auswertung schickt dir danach das Duden Institut International-Online per E-Mail.
Eine frühzeitige und professionelle Unterstützung kann dazu beitragen, dass eine gezielte Förderung eingeleitet werden kann, etwa durch Psychotherapie oder integrative Lerntherapie. Wichtig ist, dass Kinder dabei individuell und ganzheitlich unterstützt werden. Auch in der Schule ist eine positive, förderliche Lernumgebung entscheidend: gezieltes Üben, audiovisuelle Hilfsmittel oder Arbeiten in kleinen Gruppen können helfen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrkräften und Therapeutinnen und Therapeuten macht dabei den größten Unterschied.
Ist dein Kind kein Erstklässler mehr, sondern schon Jugendlicher? Dann zeigt sich LRS oft anders: LRS bei Jugendlichen: Anzeichen erkennen und Nachteilsausgleich nutzen.
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(Die Buchung läuft über das Duden Institut International-Online, das ich selbst gegründet habe, kein anderer Anbieter.)
Quellen
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung bei der Lese- und/oder Rechtschreibstörung, Registernummer 028-044. register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-044
- Galuschka, K., & Schulte-Körne, G. (2016). Diagnostik und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung. Deutsches Ärzteblatt International, 113, 279–286. doi.org/10.3238/arztebl.2016.0279
- Esser, G., Wyschkon, A., & Schmidt, M. H. (2002). Was wird aus Achtjährigen mit einer Lese- und Rechtschreibstörung? Ergebnisse im Alter von 25 Jahren. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 31, 235–242. doi.org/10.1026/0084-5345.31.4.235
- Grimm, T. (2025). Genetik der Legasthenie. In Böttcher, K. & Merkert, A. (Hrsg.), Neurodiversität und Legasthenie in Bildung und Beruf. Nomos, Baden-Baden. Open Access. doi.org/10.5771/9783748963349
- Huck, L., & Schröder, A. (2015). PuLs-Studie: Psychosoziale Belastungen bei Lernschwierigkeiten. Duden Institute für Lerntherapie, Berlin. duden-institute.de/ueber-uns/publikationen/puls-studie

