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Dein Kind hat Legasthenie / LRS oder Dyskalkulie / Rechenschwäche, und du willst helfen. Aber womit anfangen? Im Internet kursieren unzählige Tipps, Apps und Ratgeber, und genau das macht es schwer: Welcher Rat passt wirklich zu deinem Kind, und welcher geht komplett an ihm vorbei?
Hier bekommst du keine Liste mit zehn Übungen zum Abhaken. Stattdessen zeige ich dir, worauf es bei der Lernförderung zu Hause wirklich ankommt, und wann Unterstützung von zu Hause allein nicht mehr ausreicht.
Lieber hören statt lesen? Weiter unten geht es zu meiner Podcastfolge zum Thema.
Häufige Fragen zur Lernförderung bei LRS oder Rechenschwäche zu Hause
Welche Übungen helfen meinem Kind am besten?
Das lässt sich pauschal nicht sagen. Was einem Kind hilft, kann bei einem anderen wirkungslos sein, weil die Ursachen unterschiedlich liegen. Wichtiger als eine bestimmte Übung ist zu wissen, wo dein Kind wirklich steht.
Reicht es, zu Hause regelmäßig zu üben?
Bei leichten Schwierigkeiten manchmal ja. Bei einer diagnostizierten Legasthenie / LRS oder Dyskalkulie / Rechenschwäche braucht es meist mehr: eine gezielte Förderung, die genau dort ansetzt, wo die Lücke liegt.
Woran erkenne ich, ob mehr als häusliche Unterstützung nötig ist?
Wenn ihr seit Monaten übt, ohne echten Fortschritt, oder wenn dein Kind zunehmend die Lust verliert, sich verweigert oder sich immer weniger zutraut.
Was kann ich als Elternteil überhaupt beitragen, wenn ich kein Lerntherapeut bin?
Eine ganze Menge, gerade außerhalb der reinen Übung: ein unterstützendes Umfeld, echte Erfolgserlebnisse ermöglichen und mit Schule und Fachleuten im Austausch bleiben.
Gibt es die eine Methode, die immer hilft?
Nein, die gibt es nicht. Im Internet und in Ratgebern finden sich viele Ideen, die grundsätzlich helfen können. Doch wenn dein Kind bestimmte Grundlagen noch nicht hat, kann selbst die beste Methode ins Leere laufen, weil sie an der falschen Stelle ansetzt. Mehr dazu, warum das so ist, liest du in Warum DIY-Lösungen allein oft nicht reichen.
Wichtiger als eine bestimmte Übung ist deshalb, zu wissen, wo dein Kind gerade wirklich steht. Der erste Ansprechpartner dafür ist die Schule. Merkt ihr, dass es nicht rundläuft, viele Tränen, viel Streit bei den Hausaufgaben, lohnt sich eine genaue Abklärung: Eine Förderdiagnostik zeigt, ob die Grundlagen da sind, um den schulischen Anforderungen gerecht zu werden, und wo genau nachgeholfen werden muss.
Wichtig ist dabei, auf Anzeichen einer Legasthenie / LRS oder Anzeichen einer Dyskalkulie / Rechenschwäche zu achten. Weißt du, dass eine der beiden vorliegt, lass dir von einer Lerntherapeutin oder einem Lerntherapeuten passende Aufgaben geben. Und bespricht dabei nicht nur, was geübt wird, sondern auch, wie dein Kind dabei Kraft sammelt, echte Erfolgserlebnisse hat und seine eigenen Stärken erlebt, statt nur an Defiziten zu arbeiten.
Worauf es zu Hause wirklich ankommt
Deine Rolle zu Hause ist nicht, die fehlende Fachförderung zu ersetzen. Sie ist, ein Umfeld zu schaffen, in dem dein Kind lernen darf, ohne sich dabei ständig als unzureichend zu erleben. Fünf Schritte helfen dir dabei, unabhängig davon, welche Übung gerade ansteht.
- Erkenne die Herausforderungen, die dein Kind zurückhalten. Das ist oft der schwerste Schritt, weil er eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Situation braucht. Legasthenie / LRS oder Dyskalkulie / Rechenschwäche ist keine Unfähigkeit, sondern eine andere Art des Lernens. Frag dich, welche Ängste und Blockaden dein Kind wirklich zurückhalten, und ob die Erwartungen, die du oder die Schule stellt, wirklich hilfreich sind oder unnötigen Druck erzeugen.
- Definiere die Stärken deines Kindes. Was macht ihm Freude, welche Talente hat es? Wenn dein Kind Musik liebt, lässt sich das mit dem Üben verbinden. Braucht es Bewegung, um sich zu konzentrieren, kann ein Ball in der Hand beim Lernen helfen. Stärken einzubeziehen macht das Lernen nicht nur leichter, sondern auch motivierender.
- Lass die Angst vor Misserfolg los. Fehler sind kein Scheitern, sie sind Teil des Lernprozesses. Gerade Kinder mit Legasthenie / LRS oder Dyskalkulie / Rechenschwäche haben oft große Angst davor, etwas falsch zu machen, und diese Angst teilen nicht selten auch die Eltern. Wird daraus mehr als gelegentliche Unsicherheit, etwa Bauchschmerzen morgens oder der Satz „Ich will nicht in die Schule“, findest du in „Schulangst bei LRS oder Rechenschwäche“ konkrete Schritte. Vertraue deinem Kind die Freiheit an, Fehler zu machen und daraus zu lernen.
- Setze klare, aber erreichbare Ziele. Es geht nicht darum, dass dein Kind sofort perfekt liest, schreibt oder rechnet, sondern darum, kleine Fortschritte zu feiern, so klein sie auch scheinen. Sei geduldig, mit deinem Kind und mit dir selbst. Es ist ab und zu richtig schwer, das gehört dazu.
- Umgib dein Kind mit positiver Unterstützung. Suche Menschen, die an dein Kind glauben, Lehrkräfte, Therapeut:innen, andere Eltern. Und isolier dich als Elternteil nicht selbst: Der Austausch mit anderen Eltern, die Ähnliches erleben, trägt oft mehr, als man denkt.
Kinder lernen nachhaltiger, wenn sie sich dabei selbstbestimmt und kompetent erleben, nicht nur wenn am Ende das Ergebnis stimmt (Rammert & Wild, 2014).
Was die Forschung sagt
Wird eine Lernschwierigkeit nicht angegangen, entsteht leicht ein sich selbst verstärkender Kreislauf: Misserfolge führen zu Selbstzweifeln, Selbstzweifel zu weiterer Vermeidung, und Vermeidung zu noch mehr Misserfolgen. Bereits 1982 beschrieben Betz und Breuninger dieses Muster als „Teufelskreis Lernstörungen“. Genau deshalb zählt bei der Förderung zu Hause weniger die einzelne Übung als die Frage, ob dein Kind dabei Erfolg statt erneuten Misserfolg erlebt.
Mehr zum Thema in meiner Podcastfolge „5 Schritte, um auf dem Lernweg zu unterstützen“.
Bereit für den ersten Schritt?
Wenn du unsicher bist, wo dein Kind wirklich steht oder welche Unterstützung wirklich passt, ist ein Erstgespräch der nächste sinnvolle Schritt.
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(Die Buchung läuft über das Duden Institut International-Online, das ich selbst gegründet habe, kein anderer Anbieter.)
Verwendete Quellen
- Betz, D., & Breuninger, H. (1982). Teufelskreis Lernstörungen: Analyse und Therapie einer schulischen Störung. München/Wien/Baltimore: Urban & Schwarzenberg. d-nb.info/820394742
- Rammert, M., & Wild, E. (2014). Hausaufgaben ohne Stress: Die besten Tipps für entspanntes Lernen zu Hause. Freiburg: Herder. pub.uni-bielefeld.de/record/2903714

