ADHS und Legasthenie / LRS: Symptome erkennen und den Zusammenhang verstehen

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Dein Kind kann sich kaum zehn Minuten am Stück konzentrieren. Und wenn es schreibt, wirkt der Text wie hingeworfen: Buchstaben vertauscht, Wörter ausgelassen, kaum leserlich. Ist das dieselbe Baustelle? Oder zwei verschiedene?

Diese Frage stelle ich mir in meiner Arbeit als Lerntherapeut ständig. ADHS und Legasthenie / LRS treten häufiger gemeinsam auf, als die meisten Eltern denken. Und wenn beides zusammenkommt, verdeckt das eine gern das andere. Hier bekommst du einen einfachen Überblick: was ADHS ausmacht, wie eng es mit Legasthenie / LRS zusammenhängt, und warum sich genaues Hinschauen lohnt.

Häufige Fragen zu ADHS und Legasthenie / LRS

Kann mein Kind ADHS und Legasthenie / LRS gleichzeitig haben?
Ja. Und zwar öfter, als du denkst.

Woran erkenne ich, ob es ADHS, LRS oder beides ist?
Nicht an einem einzelnen Zeichen. Unkonzentriertheit kann Ursache sein. Oder Folge. Sicherheit gibt nur eine standardisierte Diagnose nach ICD, kein Bauchgefühl.

Muss ADHS zuerst behandelt werden, bevor die LRS-Förderung beginnt?
Nicht zwingend. Aber beides gehört aufeinander abgestimmt, nicht getrennt behandelt, so als hätten sie nichts miteinander zu tun. Deshalb spreche ich in solchen Fällen immer mit den anderen beteiligten Fachkräften, um genau das aufeinander abzustimmen.

Wer stellt fest, ob wirklich beides vorliegt?
Die ADHS-Diagnose stellen Kinder- und Jugendpsychiater:innen oder Psychologische Psychotherapeut:innen. Für Legasthenie / LRS gilt derselbe Facharztvorbehalt.

Ist mein Kind einfach „verträumt“, oder steckt mehr dahinter?
Genau diese Unsicherheit ist der Grund, warum sich ein zweiter, genauer Blick lohnt.

ADHS-Symptome bei Kindern und Jugendlichen

ADHS zeigt sich nicht bei jedem Kind gleich:

  • Die Konzentration hält nicht lange durch, besonders bei Hausaufgaben oder längeren Texten
  • Impulsivität: dazwischenreden, Aufgaben abbrechen, bevor sie fertig sind
  • Manche Kinder sind unruhig. Andere, häufiger Mädchen, eher still und „verträumt“, ganz ohne Zappeln
  • Mal klappt die Konzentration, mal nicht. Das verunsichert Eltern und Lehrkräfte gleichermaßen

Eins vorweg: Du hast nichts falsch gemacht. ADHS ist keine Erziehungsfrage. Es steckt eine starke erbliche Komponente dahinter, und eine andere Art, wie das Gehirn Informationen verarbeitet. Mehr zu ADHS ganz allgemein findest du beim ADHS-Infoportal des Zentralen ADHS-Netzes, einer unabhängigen, wissenschaftlich fundierten Anlaufstelle für Eltern.

Der Zusammenhang zwischen ADHS und Legasthenie / LRS

Beide Störungen sind eigenständig. Trotzdem treten sie auffällig oft gemeinsam auf, viel öfter, als der Zufall erklären würde.

Ein Beispiel macht das greifbar: Ein Kind mit unentdeckter Legasthenie / LRS wirkt beim Lesen schnell unkonzentriert, weil jeder Satz Kraft kostet. Umgekehrt fehlt einem Kind mit echter ADHS oft die Wiederholung beim Üben, die es braucht, um sichere Rechtschreibung überhaupt aufzubauen. Das eine verstärkt das andere. Sie bleiben nicht sauber getrennt nebeneinander stehen.

👉 Merksatz: Bis zu jedes zweite Kind mit ADHS hat auch eine Lese-Rechtschreibstörung, und umgekehrt (Langer et al., 2019). Das ist kein Zufall. Das ist ein Muster.

Auch die deutsche S3-Leitlinie zu ADHS bestätigt das: Lernstörungen wie LRS treten bei 10 bis 25 Prozent der Kinder mit ADHS auf. Und wenn beides zusammenkommt, verstärken sich die schulischen Probleme noch (AWMF, 2018).

Warum genaues Hinschauen so wichtig ist

Weil sich die Symptome überschneiden, reicht ein flüchtiger Blick nicht. Wird nur das Auffälligere behandelt, bleibt das andere unentdeckt, und die Förderung greift ins Leere.

Zwei Dinge sehe ich in der Praxis immer wieder:

  1. ADHS wird erkannt, LRS übersehen. Die Unruhe fällt sofort auf. Die Rechtschreibschwäche gilt als Begleiterscheinung, statt eigenständig abgeklärt zu werden.
  2. LRS wird erkannt, ADHS übersehen. Ein Kind gilt als „schwach beim Schreiben“, während die Aufmerksamkeitsproblematik dahinter nie diagnostiziert wird.

Die AWMF-Leitlinie zur Lese-Rechtschreibstörung verlangt deshalb, vor jeder Diagnose andere Ursachen auszuschließen, auch eine unbehandelte ADHS. Genau deshalb stelle ich diese Diagnose nicht selbst, sondern arbeite eng mit Fachärzt:innen zusammen, wenn sich ein Verdacht auf beides zeigt. Wie eine solche Diagnostik abläuft, erklär ich in Legasthenie-Test für Kinder: So läuft die Diagnose ab.

Was du jetzt tun kannst

Siehst du bei deinem Kind Anzeichen für beides: Das löst sich nicht von selbst. Aus meiner Erfahrung ist eine standardisierte Diagnose nach ICD oft ein guter erster Schritt, das kann Abhilfe schaffen, keine Vermutung im Alltag. Gerne bespreche ich mit dir, wie eine Förderdiagnostik und eine passende Lerntherapie für euch aussehen können.

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(Die Buchung läuft über das Duden Institut International-Online, das ich selbst gegründet habe, kein anderer Anbieter.)

Verwendete Quellen

  • Langer, N., Benjamin, C., Becker, B. L. C., & Gaab, N. (2019). Comorbidity of reading disabilities and ADHD: Structural and functional brain characteristics. Human Brain Mapping, 40(9), 2677–2698. doi.org/10.1002/hbm.24552
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (2018). S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung bei der Lese- und/oder Rechtschreibstörung, Registernummer 028-044. register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-044
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (2018). S3-Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Registernummer 028-045, S. 25. register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-045