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Manche Kinder mit Legasthenie / LRS oder Dyskalkulie / Rechenschwäche fallen jahrelang niemandem auf. Nicht, weil es ihnen leichtfällt. Sondern weil sie gelernt haben, ihre Schwierigkeiten zu verbergen.
Wie sich Schwierigkeiten unsichtbar machen
Kinder entwickeln erstaunlich früh eigene Strategien, um nicht aufzufallen: auswendig lernen statt lesen, Aufgaben absichtlich langsamer bearbeiten, den Clown in der Klasse spielen, sobald ein Text drankommt. Solche Vermeidungs- und Kompensationsstrategien können teils schon ab der zweiten Klasse einsetzen und bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Genau das macht die eigentliche Schwierigkeit über Jahre hinweg unsichtbar, für Lehrkräfte, für Eltern, manchmal sogar für das Kind selbst. Eine ausführliche Übersicht über die typischen Muster findest du in meinem Beitrag zu Vermeidungs- und Kompensationsstrategien.
Warum das nichts mit Intelligenz zu tun hat
Legasthenie / LRS und Dyskalkulie / Rechenschwäche betreffen Kinder unabhängig von ihrer Intelligenz. Die frühere Vorstellung, eine Lernschwäche zeige sich nur bei einer Lücke zwischen Intelligenz und tatsächlicher Leistung, Die Leitlinie zur Rechenstörung verwendet bewusst nur den Vergleich mit gleichaltrigen Kindern, nicht mit der Intelligenz (AWMF 028-046). Auch bei Legasthenie / LRS fand die Leitlinie keine eindeutigen Unterschiede, ob man mit Alter, Klasse oder Intelligenz vergleicht (AWMF 028-044). Entscheidend ist, wie stark die Schwierigkeiten im Vergleich zur breiten Masse gleichaltriger Kinder ausgeprägt sind, nicht der IQ.
Was passiert, wenn es unentdeckt bleibt
Je länger die eigentliche Ursache unerkannt bleibt, desto mehr verlagert sich das Problem: von den Buchstaben und Zahlen hin zum Selbstwertgefühl. Kinder, die sich jahrelang durchmogeln mussten, tragen oft eine stille Erschöpfung mit sich, lange bevor irgendjemand merkt, woran es eigentlich liegt.
Nicht jedes Kind, das mithält, kommt auch mit. Manche kompensieren nur besonders gut.
Häufige Fragen
Kann mein Kind wirklich gut kompensieren und trotzdem eine Legasthenie / LRS haben?
Ja. Gerade intelligente, ehrgeizige Kinder sind oft besonders gut darin, ihre Schwierigkeiten lange zu überspielen.
Woran erkenne ich, dass mein Kind kompensiert statt einfach nur langsamer zu sein?
Typische Hinweise sind überdurchschnittlicher Zeit- und Kraftaufwand für scheinbar einfache Aufgaben, Vermeidungsverhalten vor bestimmten Aufgabentypen oder Erschöpfung nach der Schule, die in keinem Verhältnis zum Pensum steht.
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Quellen
- Lenhard, W. (2025). Legasthenie – Definition, Ursachen, Diagnostik und Förderung. In Böttcher & Merkert (Hrsg.). DOI-Präfix des Sammelbands: 10.5771/9783748963349.
- Weitere Quellen und Fallbeispiele zu Vermeidungs- und Kompensationsstrategien: siehe verlinkter Beitrag.
