Inhaltsverzeichnis
- Was macht Logopädie und was macht Lerntherapie?
- Mein Kind liest und schreibt schlecht: Logopädie oder Lerntherapie?
- Es ist ein bisschen Henne und Ei
- Wenn du unsicher bist
- Kann Logopädie bei Legasthenie / LRS helfen?
- Können Logopädie und Lerntherapie gleichzeitig laufen?
- Zahlt die Krankenkasse Logopädie oder Lerntherapie?
- So läuft es bei der Logopädie
- So läuft es bei der Lerntherapie
- Wie lange dauert Logopädie?
- Verwächst sich das noch? Warum Abwarten selten hilft
- Woran erkenne ich eine gute Praxis?
- Du bist unsicher, was dein Kind braucht?
- Häufige Fragen
- Quellen
Dein Kind liest holprig, schreibt Wörter jedes Mal anders oder spricht manche Laute nicht sauber. Jemand sagt: „Geh doch mal zur Logopädie.“ Jemand anderes sagt: „Das ist ein Fall für die Lerntherapie.“ Und du fragst dich, wer von beiden eigentlich wofür zuständig ist.
Dass du die beiden durcheinanderbringst, ist normal. Beide arbeiten meist einzeln mit dem Kind. Beide schauen auf Sprache und Schrift. Und beide heißen „Therapie“. Trotzdem sind sie nicht dasselbe.
In diesem Beitrag zeige ich dir, was jede der beiden Fachrichtungen macht, woran du erkennst, was dein Kind braucht, und wann beides zusammen sinnvoll ist. Johanna Grimm erklärt dazu im Podcast ihre Sicht. Sie hat als Logopädin gearbeitet, ist Sonderpädagogin und Lerntherapeutin in meinem Team. Ich ordne ein, was ich aus der Lerntherapie ergänze.
Lieber hören statt lesen? Weiter unten geht es zu meiner Podcastfolge mit Johanna Grimm.
Was macht Logopädie und was macht Lerntherapie?
Logopädie ist, wie Johanna Grimm im Podcast sagt, die Therapie für Sprechen, Sprache, Stimme und Schlucken. Ganz einfach gesagt: eine Sprachtherapie. Bei Kindern geht es zum Beispiel um Sprachentwicklungsstörungen, also um Aussprache, Grammatik oder einen zu kleinen Wortschatz. Dazu kommen das Lispeln, Stimmprobleme, die Mundmotorik und das Schlucken. Johanna betont, dass Logopädie für Menschen von 0 bis 99 Jahren zuständig ist. Es gibt keine Untergrenze.
Logopädinnen und Logopäden schauen außerdem auf die Vorläuferfähigkeiten des Lesens und Schreibens. Das ist die phonologische Bewusstheit: Reimen, Silben klatschen, einzelne Laute zu einem Wort zusammenfügen. Hier sind sie, so Johanna, „total gut“.
Lerntherapie setzt dort an, wo das Lernen in der Schule stockt: beim Lesen, beim Schreiben und beim Rechnen. Bei Legasthenie / LRS geht es um den Weg in die Schriftsprache. Dein Kind lernt zum Beispiel, welcher Laut zu welchem Buchstaben gehört. Es lernt, Wörter in ihre Bausteine zu zerlegen, etwa Wortstamm, Vorsilbe und Endung. So versteht es, warum man „Hand“ mit d schreibt, wenn es „Hände“ heißt. Und es baut Schritt für Schritt das Lesen auf. Das sind die Rechtschreibstrategien, die in der Schule oft zu schnell vorausgesetzt werden.
Zur Lerntherapie gehört aber mehr als Übungsstoff:
- Rechnen: Bei Dyskalkulie / Rechenschwäche arbeite ich am Zahlverständnis, nicht am Auswendiglernen.
- Selbstvertrauen: Viele Kinder haben nach Jahren voller Fehler keine Lust mehr auf Schrift und Zahlen. Wir bauen das Zutrauen wieder auf.
- Umgang mit Vermeidung: Wer ausweicht, übt weniger, und dann wird es noch schwerer. Wir arbeiten daran, dass dein Kind sich wieder traut.
- Du als Elternteil: Du bekommst Rückmeldung und Ideen für zu Hause, damit Hausaufgaben nicht zum täglichen Streit werden.
Das alles braucht Zeit. Aus meiner Erfahrung begleiten wir Kinder im Schnitt etwa zwei Jahre. Wie Lerntherapie genau abläuft und woran du eine gute Praxis erkennst, steht in meinem Beitrag Den passenden Lerntherapie-Anbieter finden.
Die kürzeste Unterscheidung: Die Logopädie fragt, wie Sprache, Sprechen und Hören bei deinem Kind funktionieren. Die Lerntherapie fragt, wie dein Kind in die Schriftsprache und ins Rechnen hineinkommt.
Mein Kind liest und schreibt schlecht: Logopädie oder Lerntherapie?
Die Antwort hängt davon ab, was bei deinem Kind zuerst auffällt. Johanna Grimm stellt im Podcast genau diese Frage: Was ist die primäre Auffälligkeit? Das Sprechen? Das Hören? Oder das Lesen und Schreiben?
Eher ein Fall für die Logopädie, wenn …
- dein Kind undeutlich spricht und Fremde es kaum verstehen
- dein Kind Laute nicht richtig bildet oder verwechselt
- die Grammatik oder der Wortschatz deutlich hinterherhinken
- dein Kind vieles nur zeigt, statt es zu sagen
- du den Verdacht hast, dass es Sprache schlecht verarbeitet oder Störungen beim Hören gibt (die sogenannte auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung, kurz AVWS)
Eher ein Fall für die Lerntherapie, wenn …
- dein Kind sprachlich unauffällig ist, aber beim Lesen oder Schreiben nicht vorankommt
- es Buchstaben und Laute nicht sicher verbindet, obwohl es sie hören und aussprechen kann
- Rechtschreibung trotz viel Üben nicht hängen bleibt
- Lesen und Schreiben für dein Kind mit Frust, Tränen oder Ausweichen verbunden sind
Es ist ein bisschen Henne und Ei
Ganz so sauber lässt sich das nicht trennen. Johanna erklärt: Die Schriftsprache baut auf der gesprochenen Sprache auf. Hat ein Kind Probleme beim Sprechen, bei der Grammatik oder beim Wortschatz, ist das zuerst ein Fall für die Logopädie. Ist ein Kind in der ersten Klasse und kommt trotzdem gar nicht in die Schriftsprache hinein, rät sie, sich zeitgleich eine Lerntherapie zu suchen.
Wichtig ist ihr, dass beides vorkommt:
- Sprachlich auffällig, aber keine Lese-Rechtschreib-Schwäche: Es gibt Kinder mit sprachlichen Auffälligkeiten, die keine Lese-Rechtschreib-Schwäche entwickeln.
- Legasthenie / LRS, aber sprachlich unauffällig: Es gibt Kinder mit Legasthenie / LRS, die sprachlich ganz unauffällig sind. Diese Kinder musst du nicht zur Logopädie schicken.
Wenn du unsicher bist
In meinen Beratungsgesprächen schauen wir genau darauf. Wenn ich merke, dass die Sprache mitbetroffen sein könnte, raten wir im Team auch dazu, zusätzlich eine Logopädie anzufragen. Und wenn dein Kind schon in der Lerntherapie ist, sprich die Frage offen an: Ist die Sprache selbst betroffen? Johanna rät, auf das Bauchgefühl zu hören. Du kennst dein Kind am besten.
Eine Diagnose nach ICD stellen Fachpersonen mit ärztlicher oder psychotherapeutischer Zulassung, zum Beispiel Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Lerntherapeutinnen, Lerntherapeuten und Lehrkräfte stellen keine ICD-Diagnose. Wie eine Diagnose abläuft, erkläre ich im Beitrag Legasthenie-Test für Kinder: So läuft die Diagnose ab.
Kann Logopädie bei Legasthenie / LRS helfen?
Ein Stück weit ja, und zwar am Anfang des Weges. Johanna Grimm erklärt im Podcast, dass Logopädinnen und Logopäden vor allem auf die Vorläuferfähigkeiten schauen. Gemeint ist die phonologische Bewusstheit: Kann dein Kind reimen? Kann es Silben klatschen und in Silben zerlegen? Kann es einzelne Laute zu einem Wort zusammenfügen, also aus „E-i-s“ das Wort „Eis“ machen? Alles, was vor der Schrift passiert, konnte sie als Logopädin gut in der Therapie begleiten, wenn es Auffälligkeiten gab.
Das endet nicht mit dem Schuleintritt. Spricht ein Kind auch später noch undeutlich oder verwaschen, sind Logopäden weiter zuständig.
Beim Lesen und Schreiben selbst sieht Johanna die Grenze so: Rechtschreibstrategien, die ein Kind systematisch lernt, würde sie eher in die Lerntherapie geben. Sie sagt dazu ehrlich, dass sie als reine Logopädin früher nicht wusste, was Lerntherapeuten genau machen. Sie hatte Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche in der Praxis, aber es war ihr nicht klar, wie die Förderung des Schriftspracherwerbs im Einzelnen funktioniert.
Das ist keine Wertung der Logopädie. Es zeigt nur: Beide Fachrichtungen überschneiden sich bei den Vorläuferfähigkeiten, danach gehen sie eigene Wege. Ob die Krankenkasse die Logopädie bezahlt, hängt davon ab, was dein Kind genau hat. Dazu gleich mehr.
Das ist Johanna Grimms Praxiserfahrung und Fachmeinung, keine Studie.
Können Logopädie und Lerntherapie gleichzeitig laufen?
Ja, das geht, und manchmal ist es sinnvoll. Johanna nennt als Beispiel Kinder, bei denen die Verbindung von Buchstabe und Laut Schwierigkeiten macht. Dafür gibt es zwei mögliche Gründe: Entweder kann dein Kind einen Laut nicht richtig aussprechen. Oder es bekommt die Verbindung zwischen Laut und Buchstabe nicht hin. Dann kann es hilfreich sein, auf beiden Seiten an der phonologischen Bewusstheit zu arbeiten. Den Teil, der stärker mit Sprechen und Hören zu tun hat, legt man dabei eher in die Logopädie.
Beide Berufe arbeiten meist einzeln mit dem Kind. Johanna sagt dazu: Jeder hat sein Steckenpferd. Deshalb lohnt sich die Frage, wo gerade das Hauptproblem liegt.
So gehst du praktisch vor:
- Sprich es an. Wenn dein Kind in der Lerntherapie ist, frag, ob die Sprache selbst mitbetroffen sein könnte. Wenn dein Kind in der Logopädie ist, frag, ob es sich lohnt, zusätzlich auf die Schriftsprache zu schauen.
- Klär die Aufgabenverteilung. Was übernimmt die Logopädie, was die Lerntherapie? Das hilft dir und deinem Kind, nicht mit unterschiedlichen Methoden konfrontiert zu sein.
- Entscheide selbst über den Austausch. Ob sich beide Praxen über dein Kind austauschen, entscheidest du. Wenn du es möchtest, sag es beiden Seiten.
- Plane die Zeit ein. Johanna kannte aus ihrer Zeit in der Logopädie die langen Wartezeiten. Besonders gefragt waren Nachmittagstermine, zum Beispiel mittwochs um 15 Uhr. Wenn dein Kind schon die Lerntherapie hat, passt eine zweite Wochenstunde nicht immer sofort in den Alltag.
Was mir dabei wichtig ist: Zwei Termine pro Woche sind für ein Kind viel. Ich schaue deshalb immer gemeinsam mit euch, ob beides wirklich nötig ist oder ob erst eine Sache Vorrang hat.
Zahlt die Krankenkasse Logopädie oder Lerntherapie?
Die kurze Antwort: Es hängt davon ab, was dein Kind hat. Die beiden Wege laufen finanziell sehr unterschiedlich.
So läuft es bei der Logopädie
Logopädie ist ein Heilmittel. Du brauchst ein Rezept (eine Heilmittelverordnung). Johanna Grimm erklärt im Podcast, dass das Kinderärztinnen und Kinderärzte ausstellen können, ebenso HNO-Ärzte und Phoniater, also auf die Stimme spezialisierte HNO-Ärzte. Ohne Rezept kannst du Logopädie nur selbst bezahlen. Die meisten Praxen haben laut Johanna eine Kassenzulassung. Das steht oft auf der Internetseite.
Wichtig ist, wofür das Rezept gilt. In der Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, die festlegt, was die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen, stehen „Störungen wie Lese- und Rechtschreibschwäche, sonstige isolierte Lernstörungen“ ausdrücklich unter den nicht verordnungsfähigen Heilmitteln (Anlage 1). Außerdem dürfen Heilmittel bei Kindern nicht verordnet werden, wenn eigentlich pädagogische, heilpädagogische oder sonderpädagogische Maßnahmen geboten sind (§ 6 Abs. 2).
Für dich heißt das: Hat dein Kind eine Störung bei Sprache, Sprechen, Stimme oder Schlucken, ist die Logopädie auf Rezept der Weg. Die Lese-Rechtschreib-Schwäche selbst bezahlt die Kasse nicht als Logopädie. Liegt zusätzlich eine Sprach- oder Sprechstörung vor, kann die Ärztin oder der Arzt Logopädie für diese Störung verordnen. Dann behandelt die Logopädie die Sprachstörung, nicht die Lese-Rechtschreib-Schwäche.
So läuft es bei der Lerntherapie
Lerntherapie gibt es nicht auf Rezept. Johanna sagt: Anders als bei der Logopädie läuft der Weg nicht über Ärzte, sondern über das Jugendamt oder Beratungsstellen.
In Deutschland kann das Jugendamt Lerntherapie unter bestimmten Voraussetzungen als Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII bezahlen. Der Anspruch besteht, wenn die seelische Gesundheit deines Kindes mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate vom altersgemäßen Zustand abweicht und dadurch die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft beeinträchtigt ist oder droht. Das Jugendamt holt dazu die Stellungnahme einer Fachperson ein, zum Beispiel einer Fachärztin oder eines Facharztes für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder einer Psychotherapeutin oder eines Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche. Das Gesetz nennt Lese-Rechtschreib-Störung und Lerntherapie nicht ausdrücklich. Ob das Jugendamt in deinem Fall zahlt, entscheidet es im Einzelfall. Wird der Antrag nicht bewilligt, trägst du die Kosten selbst.
Wohnt ihr nicht in Deutschland, gelten diese Regeln nicht. Dann sind möglicherweise andere Förderwege möglich. Einen Pauschalweg gibt es nicht. Am besten klärst du das in einem Beratungsgespräch, in dem wir deine Situation gemeinsam anschauen.
Wie lange dauert Logopädie?
Auch das ist Johannas Praxiserfahrung aus ihrer Zeit als Logopädin: Ein Erstrezept umfasste meist 11 Stunden. Eine war für das Erstgespräch und die Diagnostik, die übrigen zehn waren Therapie. Eine Einheit dauerte 45 Minuten, davon etwa 40 Minuten mit dem Kind und fünf Minuten mit den Eltern. Bei einem Termin pro Woche war das erste Rezept nach gut zehn Wochen aufgebraucht, bei zwei Terminen nach fünf. Weitere Rezepte waren möglich. Bis etwa 30 Stunden lief das nach ihrer Erfahrung meist problemlos, je nach Störungsbild waren deutlich mehr möglich. Als Beispiel nannte sie eine ausgeprägte Wortfindungsstörung mit bis zu 60 Stunden. Wie viel ein Kind braucht, hängt davon ab, wie hartnäckig die Störung ist und wie viel zu Hause geübt wird. Wie die Regeln heute genau sind, erfährst du bei der Ärztin, dem Arzt oder der Krankenkasse.
Verwächst sich das noch? Warum Abwarten selten hilft
„Das gibt sich noch“ ist einer der häufigsten Sätze, die Eltern hören. Johanna Grimm sah das in ihrer Zeit als Logopädin kritisch. Ihre Erfahrung: Die meisten Sprachstörungen verwachsen sich nicht. Das sei „die größte Legende“, die dazu erzählt werde.
Es gibt Kinder, die später in die Sprache kommen, die sogenannten „Late Talker“. Aber Eltern erzählten ihr oft, dass es mal eine kurze Zeit mit kleinem Wortschatz oder unklarer Aussprache gab, „aber hat ja alles wieder aufgehört“. Und sechs Jahre später saßen diese Kinder bei ihr, weil das Lesen und Schreiben nicht klappte.
Das ist Johanna Grimms Fachmeinung aus der Praxis, keine Studie. Sie sagt auch ausdrücklich, dass es „Late Talker“ gibt, die aufholen. Nicht jedes Kind mit später Sprache braucht eine Therapie.
Was Johanna früh beobachtete:
- Mit anderthalb bis zwei Jahren hat ein Kind weniger als 50 Wörter. Dabei zählt auch „brummbrumm“ für Auto als Wort. Wichtig ist, dass das Kind für etwas eine Bezeichnung hat, nicht dass es richtig ausgesprochen ist.
- Fremde verstehen dein Kind kaum. Du verstehst es nur teilweise.
- Dein Kind zeigt den ganzen Tag nur, was es will, statt zu sprechen.
- Dein Kind zeigt im Vorschulalter kein Interesse an Buchstaben und Schrift oder lehnt beides ab. Das ist für Johanna ein großes Warnsignal.
Warum früh anfangen so wichtig ist: Sprache ist die Grundlage der Schriftsprache. Je früher ein Kind beim Sprechen Unterstützung bekommt, desto besser stehen laut Johanna die Chancen, gut in die Sprache zu kommen. Und desto geringer wird das Risiko für Probleme beim Lesen- und Schreibenlernen.
Und wenn dein Kind schon in der Schule ist? Auch dann gilt: nicht abwarten. Johanna sagt, in der ersten Klasse sei oft schon klar, wohin es geht. Wer bis zur vierten Klasse wartet, dessen Kind ist die Schwierigkeit „auf einmal manifest“. Später anzufangen ist nicht unmöglich, aber es wird nicht einfacher. Dazu kommen die Folgen im Alltag: Ein Kind, das sich zurückhält und nicht mehr spricht, aus Angst, etwas falsch zu sagen, übt die Sprechfertigkeiten nicht mehr. Dadurch leidet oft auch das Lesen und Schreiben. Dazu kommen Vermeidung und ein sinkendes Selbstbewusstsein. Das erlebe ich in der Lerntherapie immer wieder.
Lass dich nicht abwimmeln. Dein Bauchgefühl zählt. Wenn dir etwas auffällt oder die Kita dir etwas zurückmeldet, nimm das ernst. Frag bei der Kinderärztin oder beim Kinderarzt nach. Johanna wies darauf hin, dass es Rezepte für eine reine Diagnostik gibt, mit ein bis drei Stunden, damit eine Logopädin oder ein Logopäde einmal draufschaut. Die stellten Ärzte nach ihrer Erfahrung nur selten aus. Wenn sich dein Kinderarzt sperrt, such dir einen anderen oder bitte darum, dass er die Sache anschaut. Ich sage es wie in der Folge: Schlimmstenfalls heißt es „alles gut“. Mehr kann nicht passieren.
Woran erkenne ich eine gute Praxis?
Dass die Chemie stimmt, ist bei Logopädie genauso wichtig wie bei der Lerntherapie. Johanna begründet das so: Sprache ist etwas sehr Persönliches. Wenn jemand im Mund arbeitet, den dein Kind nicht sympathisch findet, wird die Therapie nicht gut anschlagen.
Worauf du bei einer logopädischen Praxis achten kannst (Johannas Rat):
- Konzept erfragen. Für jedes Störungsbild gibt es unterschiedliche Konzepte. Frag in der Praxis nach, wonach sie arbeiten und wie du dir die Stunden vorstellen kannst. Der Deutsche Bundesverband für Logopädie (dbl) kann dir einen Überblick geben.
- Bei AVWS genauer hinschauen. Johanna ist bei der auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung zurückhaltend und rät, auf Spezialisierung und Konzept zu achten.
- Ausbildung ansehen. Die Berufsbezeichnung ist geschützt, die Abschlüsse sind staatlich geprüft. Es gibt mehrere Wege: Ausbildung oder Studium. Johanna wertet das nicht. Du kannst dir aber erklären lassen, wie die Praxis damit arbeitet.
- Auf Fehlerkultur achten. Wird dein Kind ermutigt oder ständig korrigiert? Johanna ist eine positive Fehlerkultur wichtig.
- Ähnlichen Ansatz prüfen. Gerade bei kleineren Kindern sollten Erziehungsstil und pädagogischer Ansatz zu dir passen.
Gib der Sache Zeit. Nicht nach der ersten Stunde abbrechen, auch wenn der erste Eindruck holprig war. Aber auch hier gilt das Bauchgefühl: Wenn dein Kind sofort ein schlechtes Gefühl hat, schlägt die Therapie laut Johanna nicht an. Warten musst du oft lange auf einen Platz. Umso ärgerlicher ist es, wenn es nicht passt. Sprich dann zuerst mit der Praxis. Das raten wir Eltern in der Lerntherapie genauso: Vertrauen wächst, es ist nicht ab der ersten Stunde da, und oft lässt sich im Gespräch etwas anpassen.
Für die Lerntherapie findest du die Kriterien und Fragen für das erste Gespräch in meinem Beitrag Den passenden Lerntherapie-Anbieter finden. Wenn Wege oder Termine das Problem sind: Lerntherapie ist auch online möglich.
Du bist unsicher, was dein Kind braucht?
Du musst das nicht allein entscheiden. Die Kurzanalyse sagt dir nicht, ob dein Kind Logopädie oder Lerntherapie braucht. Sie hilft dir aber, deine Beobachtungen zum Lesen und Schreiben zu sortieren. Am Ende bekommst du vom Duden Institut International-Online per E-Mail eine Auswertung deiner Angaben. Sie ersetzt keine Diagnose, zeigt dir aber, ob sich ein genauerer Blick lohnt.
Ob Logopädie, Lerntherapie oder beides sinnvoll ist, besprechen wir gern persönlich. Im kostenlosen, unverbindlichen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, was bei deinem Kind im Vordergrund steht.
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(Die Buchung läuft über das Duden Institut International-Online, das ich selbst gegründet habe, kein anderer Anbieter.)
Häufige Fragen
Wann ist Logopädie sinnvoll?
Wenn dein Kind Probleme mit Sprache, Aussprache, Stimme oder Schlucken hat, zum Beispiel wenn Fremde es kaum verstehen oder es mit zwei Jahren kaum Wörter hat. Johanna Grimm sagt: Es gibt keine Untergrenze, auch wenn manche Ärzte erst ab vier Jahren überweisen.
Kann Logopädie bei Legasthenie / LRS helfen?
Bei den Vorläuferfähigkeiten des Lesens und Schreibens, zum Beispiel Reimen oder Silben, und dann, wenn die Sprache mitbetroffen ist. Rechtschreibstrategien lernt dein Kind nach Johanna Grimms Einschätzung eher in der Lerntherapie.
Zahlt die Krankenkasse Logopädie bei Lese-Rechtschreib-Schwäche?
Nein, die Lese-Rechtschreib-Schwäche selbst nicht. Die Heilmittel-Richtlinie führt sie unter den nicht verordnungsfähigen Heilmitteln auf. Liegt zusätzlich eine Sprach- oder Sprechstörung vor, entscheidet die Ärztin oder der Arzt über ein Rezept für diese Störung.
Brauche ich ein Rezept für Logopädie?
Ja, wenn die Krankenkasse zahlen soll. Das Rezept stellen zum Beispiel Kinderärztinnen und Kinderärzte oder HNO-Ärztinnen und HNO-Ärzte aus. Ohne Rezept zahlst du selbst.
Wer zahlt die Lerntherapie?
Lerntherapie gibt es nicht auf Rezept. In Deutschland kann das Jugendamt sie im Einzelfall als Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII bezahlen. Wohnt ihr woanders, kommen möglicherweise andere Förderwege infrage. Einen Pauschalweg gibt es nicht, am besten klärst du es im Beratungsgespräch.
Können Logopädie und Lerntherapie gleichzeitig laufen?
Ja. Sprecht beide Seiten darauf an, wer was übernimmt, damit dein Kind nicht mit unterschiedlichen Methoden konfrontiert ist.
Was ist der Unterschied zwischen Logopädie und Sprachtherapie?
Im Alltag meinen beide meist dasselbe. Johanna Grimm erklärt: Sprachtherapeutinnen und Sprachtherapeuten sind häufig über ein Studium zur Sprachtherapie gekommen. Logopädie hat tendenziell eine medizinischere Sicht auf das Störungsbild.
Wie funktioniert eine Lerntherapie?
Eine Lerntherapie arbeitet meist einzeln mit deinem Kind am Lesen, Schreiben oder Rechnen und baut dabei auch das Selbstvertrauen wieder auf. Aus meiner Erfahrung begleiten wir Kinder im Schnitt etwa zwei Jahre. Mehr dazu steht im Beitrag Den passenden Lerntherapie-Anbieter finden.
Mehr zum Thema in meiner Podcastfolge „Logopädie oder Lerntherapie? Wo sich beides überschneidet“: Johanna Grimm und ich sprechen darüber, wo sich Logopädie und Lerntherapie überschneiden, woran du erkennst, was dein Kind braucht, und warum Abwarten selten hilft.
Quellen
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) (2025). Richtlinie über die Verordnung von Heilmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung (Heilmittel-Richtlinie), in Kraft getreten am 1. Januar 2025. Anlage 1 (nicht verordnungsfähige Heilmittel) und § 6 Abs. 2. g-ba.de/downloads/62-492-3676/HeilM-RL_2024-10-29_iK-2025-01-01.pdf
- Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII), § 35a: Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche mit seelischer Behinderung oder drohender seelischer Behinderung. gesetze-im-internet.de/sgb_8/__35a.html
- Lindner, M., & Grimm, J. (2026). Logopädie oder Lerntherapie? Wo sich beides überschneidet Potenzialfrei!?-Podcast, Folge vom 31. März 2026. Aussagen von Johanna Grimm sind Fachmeinung und Praxiserfahrung, keine Studienergebnisse. youtube.com/watch?v=BNKEkiUiFdY
- Deutscher Bundesverband für Logopädie e. V. (dbl). dbl-ev.de

