Die 7 häufigsten Mythen über Lerntherapie

Inhaltsverzeichnis

Über Lerntherapie kursieren viele Halbwahrheiten. Manche davon halten Eltern zu lange davon ab, sich Unterstützung zu holen, andere wecken falsche Erwartungen. Hier räume ich mit den 7 Mythen auf, die mir in Beratungsgesprächen am häufigsten begegnen.

Mythos 1: Lerntherapie ist nur für Kinder mit schwerwiegenden Lernschwierigkeiten

Falsch. Je früher ein Kind Unterstützung bekommt, desto kürzer reicht oft eine gezielte Intervention. Wer wartet, bis „es schlimm genug“ ist, lässt genau die Lernlücken entstehen, die später mehr Zeit brauchen. Beide AWMF-S3-Leitlinien empfehlen deshalb einen frühen Beginn: Bei Legasthenie / LRS soll die Förderung schon im ersten Schuljahr beginnen (S3-Leitlinie Lese-/Rechtschreibstörung), bei Dyskalkulie / Rechenschwäche bei einem Risiko sogar schon im letzten Kindergartenjahr (S3-Leitlinie Rechenstörung).

Mythos 2: Lerntherapie ist nur etwas für Kinder und Jugendliche

Falsch. Auch Erwachsene profitieren von Lerntherapie, die Methoden werden dabei an die jeweilige Lebenssituation angepasst. Es gibt keine Altersgrenze, um Lesen, Schreiben oder Rechnen nachhaltig zu verbessern. Wie sich Legasthenie / LRS im Erwachsenenalter zeigt und was dagegen hilft, liest du hier: Legasthenie / LRS im Erwachsenenalter.

Mythos 3: Lerntherapie ist teuer

Die Kosten spielen für viele Familien tatsächlich eine Rolle, das ist verständlich. Wichtig ist der Vergleich: Eine gezielte, zeitlich begrenzte Lerntherapie kostet in der Regel weniger als jahrelange, unstrukturierte Versuche, das Problem allein in den Griff zu bekommen. Was dabei oft übersehen wird: Was passiert, wenn gar keine gezielte Unterstützung stattfindet? Ein britischer Bericht rechnet vor, was schwache Lese- und Schreibfähigkeiten langfristig kosten. Er stützt sich auf große britische Langzeitstudien und nennt ein höheres Risiko für Arbeitslosigkeit, Depressionen und Kontakt mit dem Justizsystem (Every Child a Chance Trust, 2009). Er betrifft Lese- und Schreibschwierigkeiten allgemein, nicht nur Legasthenie / LRS. Das sind keine abstrakten Zahlen, sondern reale Lebenswege.

Mythos 4: Lerntherapie ist sehr zeitaufwendig

Eine integrative Lerntherapie läuft meist über 18 bis 24 Monate, einmal wöchentlich, ergänzt durch kurze, tägliche Übungen zu Hause. Das ist eine reale Investition an Zeit, aber keine, die den Alltag deines Kindes dominiert.

Mythos 5: Lerntherapie ist für alle Kinder gleich

Falsch. Jedes Kind bringt eine eigene Ausgangslage, eigene Stärken und eigene Lernlücken mit. Eine Lerntherapie nach dem Standard des Fachverbands FiL beziehungsweise den Qualifikationskriterien des Bundesverbands Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) beginnt deshalb immer mit einer individuellen Förderdiagnose, gefolgt von einem individuellen Therapieplan und Inhalten, die immer wieder neu an dein Kind angepasst werden.

Mythos 6: Lerntherapie muss vor Ort stattfinden

Nicht zwingend. Der Fachverband für integrative Lerntherapie (FiL) erkennt Lerntherapie „mittels digitaler Kommunikationsmittel“ ausdrücklich als möglichen Weg an. Dass Behandlung per Bildschirm sorgfältig gestaltet werden kann, zeigt auch ein Blick in einen verwandten Beruf: Die Psychotherapeutenkammer Berlin hat 2017 festgelegt, dass Online-Behandlung in der Psychotherapie zulässig ist, wenn besondere Sorgfaltspflichten eingehalten werden, etwa zu Datenschutz, klarem Setting und Vorbereitung auf Krisenfälle (Psychotherapeutenkammer Berlin, 2017). Online-Lerntherapie hat dabei klare Vorteile, keine Anfahrt, Ortsunabhängigkeit, ein vertrautes Umfeld für dein Kind, ist aber nicht für jede Familie auf Anhieb passend. Welches Format zu deinem Kind passt, besprechen wir offen im Erstgespräch.

Mythos 7: Lerntherapie ist keine wirksame Lösung für Lernprobleme

Das stimmt so nicht. Für Legasthenie / LRS zeigt eine Meta-Analyse randomisierter, kontrollierter Studien: Schwere Lese- und Rechtschreibprobleme lassen sich mit passender Förderung verbessern. Belegt ist das vor allem für das systematische Training der Laut-Buchstaben-Beziehungen (Galuschka, Ise, Krick, & Schulte-Körne, 2014). Auch für Rechtschreibung und für Dyskalkulie / Rechenschwäche baut die Lerntherapie auf den evidenzbasierten AWMF-S3-Leitlinien auf (Lese-/Rechtschreibstörung, Rechenstörung), die gezielte Förderung ausdrücklich empfehlen.

Die meisten Mythen über Lerntherapie halten sich, weil sie Angst schüren: die Angst, dass es zu spät, zu teuer oder zu aufwendig sein könnte. Keiner dieser Gründe hält einer genaueren Prüfung stand.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob mein Kind wirklich Lerntherapie braucht?
Ein erster Blick auf mögliche Anzeichen zeigt, ob mehr dahinter steckt als vorübergehende Schwierigkeiten. Im nächsten Schritt hilft ein Beratungsgespräch, danach gegebenenfalls eine Förderdiagnose oder eine Diagnose nach ICD beim Facharzt.

Kann ich als Elternteil abschätzen, ob ein Anbieter seriös ist?
Ja, unter anderem an Fragen zur Qualifikation und daran, ob eine individuelle Förderdiagnose der Therapie vorausgeht. Ausführliche Hinweise dazu findest du auf der Seite Den passenden Lerntherapie-Anbieter finden.

Wenn du nach diesem Artikel unsicher bist, was der nächste richtige Schritt für dein Kind ist: Lass uns das in einem kostenlosen, unverbindlichen Erstgespräch gemeinsam anschauen.

📅 Jetzt kostenloses Erstgespräch buchen

(Die Terminbuchung läuft über das Duden Institut International-Online, das ich selbst gegründet habe, kein anderer Anbieter.)

Quellen