Mathe braucht Sprache: Was dein Kind vor der Schule dafür mitbringt

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Wenn es um Mathe geht, denken die meisten an Zahlen. An Plus und Minus, an das Einmaleins. Sprache spielt in diesem Bild kaum eine Rolle. Und doch hängen beide eng zusammen. Johanna Grimm sagt im Podcast: „Mathe ist nicht sprachfrei.“

Auslöser für diesen Beitrag war eine Frage aus unserer Hörerschaft: Welche Vorläuferfähigkeiten aus Sicht der Logopädie wirken sich später in der Schule auf Mathe aus? Johanna ist Lerntherapeutin und Sonderpädagogin in meinem Team und hat als Logopädin gearbeitet. Sie hat die Frage mit der sprachlichen Brille angeschaut. Hier erfährst du, was sie erklärt, was die Forschung dazu zeigt und was ich aus meiner Arbeit in der Lerntherapie sehe.

Wenn dein Kind im Kindergarten ist und du dich fragst, ob es für die Schule gerüstet ist: Dieser Beitrag soll dir keinen Druck machen. Er zeigt dir, worauf du schauen kannst.

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Lieber hören statt lesen? Weiter unten geht es zu meiner Podcastfolge mit Johanna Grimm.

Was sind mathematische Vorläuferfähigkeiten?

Vorläuferfähigkeiten sind das, was zwischen Geburt und Schuleintritt passiert, bevor in der Schule das eigentliche Rechnen beginnt. Johanna Grimm stellt es so dar: Was muss im Kita-Alter da sein, damit sich die mathematischen Fähigkeiten später gut entwickeln können? Wir sprechen dabei bewusst von mathematischen Grundlagen und nicht vom Rechnen.

Von einem Kita-Kind wird nicht erwartet, dass es schon rechnen kann oder eine große Zahlvorstellung hat. Johanna geht davon aus, dass Kinder in diesem Alter zählen und Mengen erfassen können, je nach Stärken bis etwa 10 oder 20.

Die Zahlwortreihe reicht dafür nicht, wenn dein Kind sie wie ein Gedicht aufsagt. Schön, wenn es das kann. Entscheidend ist, zu verstehen, was dahintersteckt. Was bedeutet „drei“? Es kann die Menge drei meinen oder die dritte Stelle in einer Reihe. Dazu kommen Muster fortsetzen und die räumliche Wahrnehmung.

Aus meiner Arbeit kenne ich Kinder, für die Zahlwörter abstrakt sind und für die sich nichts dahinter verbirgt. Dann fangen wir genau dort an: Was heißt „drei“? Was heißt „an dritter Stelle“? Dafür braucht ein Kind erst ein Gespür und eine Vorstellung.

Wenn ein Kind im Kindergarten oder in der 1. Klasse Schwierigkeiten mit Mathe hat, deutet das nach der AWMF-S3-Leitlinie zur Rechenstörung auf ein Risiko hin. Gleichzeitig schwankt die Mathematikleistung in diesem Alter noch und wird erst ab der 2. Klasse stabiler. Welche Anzeichen im Kindergartenalter auf eine Dyskalkulie / Rechenschwäche hindeuten können, steht im Beitrag Dyskalkulie-Anzeichen bei Kindern: Woran du sie erkennst.

Warum braucht Mathe Sprache?

Mathe und Sprache haben mehr gemeinsam, als man denkt. Johanna Grimm erklärt im Podcast, woran das liegt.

Zahlwörter bestehen aus Bausteinen

Die größte Schnittmenge ist nach Johanna die phonologische Bewusstheit. Das ist die Fähigkeit, Wörter in ihre Bausteine zu zerlegen und wieder zusammenzusetzen: Reimen, Silben klatschen, einzelne Laute zu einem Wort zusammenziehen. Für den Schriftspracherwerb ist das seit Langem bekannt. Aber auch Zahlwörter bestehen aus Bausteinen. „Dreizehn“ ist ein Wort, das sich aus zwei Teilen zusammensetzt: drei und zehn. Wer die Teile eines Wortes nicht erkennt, erkennt auch nicht, dass die Zahl aus zwei Bedeutungen besteht.

Johanna sagt deshalb: Fehlt die phonologische Bewusstheit, wird es schwer, im Schriftspracherwerb und in Mathe erfolgreich zu sein. Es kommt auch vor, dass ein Kind sowohl eine Legasthenie / LRS als auch eine Dyskalkulie / Rechenschwäche hat.

Wer sich Wörter nicht merkt, merkt sich keine Zwischenergebnisse

Ein zweiter Punkt ist das Arbeitsgedächtnis, in dem ein Kind kurz festhält, was es gerade gehört hat. Johanna erklärt: Wenn ein Kind sich Wörter nicht merken kann, egal in welcher Sprache, kann es sich auch in Mathe keine Zwischenergebnisse merken. Bei Aufgaben mit mehreren Schritten fehlt dann der Faden.

Sprache ist ein Denkwerkzeug

Johanna beschreibt Sprache auch als Werkzeug zum Denken. Ein Beispiel: „Du hast drei Bonbons, nimm noch drei weitere hinzu.“ Dein Kind muss wissen, was „hinzunehmen“ heißt. Es muss sich die Zahl merken. Und es muss die Situation mit Sprache im Kopf nachbauen. Ohne diese sprachliche Grundlage fällt es schwer, mit Rechenschritten zu arbeiten und Zwischenergebnisse zu speichern.

Mathe hat eine eigene Zeichensprache

Johanna sieht Mathe als eigenes Zeichensystem, fast wie eine eigene Sprache. Plus und Minus kennen viele. Aber auch das Größer- und das Kleinerzeichen müssen übersetzt werden, ähnlich wie ein Kind erst Buchstaben lernen muss, bevor es schreibt. Dazu kommt die Textaufgabe: Erst muss dein Kind sie lesen können. Johanna betont, dass Lesen später in der Schule eine gute Vorhersage für die Mathematikleistung ist. Wer den Text nicht lesen kann, kann die Aufgabe nicht lösen.

Wenn Vokabeln ohne Bedeutung bleiben

Johanna erzählt von Kindern, die „Viertelstunde“ sagen können, aber nicht wissen, was ein Viertel ist. Für sie ist das eine Vokabel, die sie gelernt haben. Wie das als Bruch aussieht, was es bedeutet, wissen sie nicht. Das kenne ich aus der Lerntherapie. Die Vorstellung fehlt. Wenn ein Kind dann versteht, was dahintersteckt, ist das ein richtiger Aha-Moment. Johanna vergleicht es mit einem Pferd: Wer nie eins gesehen oder angefasst hat, hat keinen Grund, die Bedeutung des Wortes zu speichern.

Was die Forschung zeigt

Eine große Auswertung von 344 Studien mit mehr als 360.000 Teilnehmenden fand einen mäßigen Zusammenhang zwischen Sprache und Mathe (Peng et al., 2020). Er war stärker, je anspruchsvoller die sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten waren. Arbeitsgedächtnis und Intelligenz erklärten zusammen mehr als die Hälfte dieses Zusammenhangs. Und Sprache und Mathe sagten die Entwicklung des jeweils anderen voraus, auch wenn die Ausgangsleistung berücksichtigt wurde. Das zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache. Es sagt auch nicht, dass jedes Kind mit Sprachproblemen Mathe-Probleme bekommt.

Oft heißt es, ein Kind sei sprachlich begabt oder mathematisch. Johanna sagt: So einfach lässt sich das nicht sagen.

Welche sprachlichen Fähigkeiten zählen schon im Kindergarten?

Johanna Grimm sagt: Man kann schon im Kindergartenalter auf die Sprache schauen, wenn man wissen will, wie gut ein Kind auf Mathe vorbereitet ist. Das ist keine Checkliste, die dein Kind bestehen muss. Es sind Dinge, die du im Alltag beobachten kannst.

  • Räumliche Wörter. „Davor“, „dahinter“, „daneben“, „links“, „rechts“: Diese Präpositionen gehören laut Johanna ganz klassisch ins Vorschulalter. Sie sind Grammatik. Fällt deinem Kind das schwer, kann man bei der Logopädie nachfragen. Meistens zeigt sich dort, dass nicht nur die Präposition betroffen ist, sondern auch der Satzbau. Manchmal spielt auch das Sehen eine Rolle: Wer räumlich nicht richtig wahrnimmt, wo etwas steht, kann es schwer in Sprache fassen.
  • Satzbau. Steht das Verb schon an der richtigen Stelle? Sagt dein Kind „ich kaufe ein“ oder „ich einkaufe“? Johanna rät, zwei Seiten zu beachten: Was spricht dein Kind selbst, und was versteht es?
  • Aufforderungen verstehen. Kann dein Kind „Hol mir den Ball“ umsetzen? Und auch „Zuerst holst du mir den Ball, dann den Bauklotz“? Das geht in die Hörmerkspanne über: Wie viel behält dein Kind, was es gerade gehört hat?
  • Dinge merken. Beim Einkaufsladen spielen kannst du ausprobieren, wie viele Sachen sich dein Kind merkt. Nach Johannas persönlicher Einschätzung sollte ein Kindergartenkind kurz vor der Einschulung bis zu sieben Dinge behalten können. Das ist ihre Erfahrung, keine Norm aus einer Studie.
  • Wörter und Kategorien. Kann dein Kind Dinge ordnen, zum Beispiel Tiere von Möbeln trennen? Johanna erklärt: Das sprachliche Lexikon lebt von Kategorien. Kinder mit kleinem Wortschatz haben damit oft Schwierigkeiten. Dass ein Kind sofort Obst und Gemüse sortiert, ist nicht nötig. Das ist schwieriger, als man denkt. Dazu passt, was ich aus meiner Arbeit kenne: Sortieren nach Farbe oder Material ist die Vorstufe zu Mustern und zum Gruppieren.
  • Farben. Auch Farben sind erst einmal Vokabeln. Ein Kind muss „blau“ mit einer Bedeutung verbinden. Die Lieblingsfarbe deines Kindes hilft dabei, weil sie für dein Kind etwas bedeutet.
  • Aufmerksamkeit. Für das Merken braucht dein Kind Konzentration und Gedächtnis, und es muss seine Aufmerksamkeit mit dir auf einen Gegenstand richten können. Das heißt nicht, dass es 15 Minuten still am Tisch sitzen muss. Die Zeiten sind viel kürzer, und gelernt wird im Spiel.

Das sind Johanna Grimms Praxiserfahrungen und Fachmeinung, keine Studienergebnisse.

Hat mein Kind mit einer Sprachentwicklungsstörung auch Mathe-Probleme?

Nicht automatisch. Aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Johanna erklärt: Bei Kindern mit einer Sprachentwicklungsstörung, bei denen die Lautverwendung betroffen ist, fand sie in Studien einen starken Zusammenhang mit Mathe. Ist die phonologische Bewusstheit betroffen, kann es auch schwieriger werden, die mathematischen Fähigkeiten aufzubauen. Das überrascht viele. Man denkt oft: Probleme in Deutsch, Mathe läuft aber gut. Johanna sagt: Das ist erst einmal nicht so.

Die Forschung stützt das. Eine Auswertung von 30 Studien verglich Kinder mit Sprachentwicklungsstörung (in der Forschung „developmental language disorder“, kurz DLD) mit Kindern ohne. Die Kinder mit DLD lagen in Mathe im Schnitt etwa eine Standardabweichung darunter. Besonders groß waren die Unterschiede beim Rechnen, Zählen und bei Textaufgaben, kleiner beim Wissen um arabische Zahlen und beim Größenvergleich. Die Autorinnen und Autoren sprechen von einem hohen Risiko für Mathe-Schwierigkeiten (Høgetveit et al., 2026). Das ist ein Gruppenvergleich. Er sagt nichts darüber, wie es bei deinem Kind aussieht.

Wichtig ist die Entwarnung: Johanna betont, dass du nicht hysterisch werden musst. Wenn dein Kind lispelt, also einen Sigmatismus hat, bedeutet das nicht unbedingt Schwierigkeiten in Mathe. Sie unterscheidet zwei Dinge:

  • Nur die Aussprache ist betroffen (Phonetik): Das würde sie eher ausklammern. Auch mit vielen Aussprachefehlern können Kinder rechnen lernen.
  • Die Lautverwendung ist betroffen (Phonologie), das heißt, dein Kind setzt Laute in Wörtern nicht richtig ein. Das sollte eine Fachperson genauer ansehen.

Dazu kommt: Es muss immer vieles zusammenkommen, damit sich ein Problem ausprägt. Es gibt Kinder mit ganz normalem Spracherwerb, die später trotzdem eine Lese-Rechtschreib-Schwäche entwickeln. Und es gibt Kinder ohne ausgeprägte phonologische Bewusstheit, die weder eine Legasthenie / LRS noch eine Dyskalkulie / Rechenschwäche haben. Johanna sagt: Wir erleben alles Mögliche.

Wie unterstütze ich mein Kind spielerisch?

Die gute Nachricht von Johanna Grimm: Vieles lässt sich im Alltag ausprobieren, bevor überhaupt eine Therapie nötig ist. Dein Kind muss dafür nicht am Tisch sitzen. Das ist ihr wichtig. Lernen funktioniert im Spiel, und Mathe lernt ein Kind vor allem, indem es erlebt, wie sich Dinge anfühlen, wo etwas passiert und was passiert, wenn man etwas dazunimmt oder wegnimmt.

Was im Alltag hilft

  • Einkaufsladen spielen. Hier trainiert dein Kind das Merken. Gib ihm zwei oder drei Aufträge hintereinander: „Hol mir zuerst den Apfel, dann die Banane.“ Und achte darauf, was dein Kind sich merken kann.
  • In der Bauecke über Formen sprechen. Welche Form hat der Bauklotz? Ein Zylinder rollt, ein Würfel nicht. Wie viele Ecken hat er? Dein Kind darf dabei mit den Fingern zählen. Johanna sagt: Das ist in dem Alter absolut in Ordnung. Es geht ums Begreifen.
  • Sortieren. Tiere und Möbel, Dinge aus Holz und aus Metall, Farben: Beim Gruppieren lernt dein Kind, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu sehen. Das ist die Grundlage für Sprache und später für Mathe.
  • Handlungen in Worte fassen. „Ich nehme dir drei Bausteine weg. Jetzt hast du weniger.“ So lernt dein Kind, was „hinzunehmen“ und „wegnehmen“ bedeuten, und zwar als Handlung, nicht nur als Wort.
  • Erste Mal-Vorstellung im Spiel. Johanna nennt ein Beispiel: Du holst dreimal einen Stift. Wie viele hast du jetzt? Das ist schon Malnehmen, ohne dass du es so nennen musst.
  • Lieblingsfarben nutzen. Farben sind Vokabeln. Wenn die Farbe für dein Kind etwas bedeutet, merkt es sie sich leichter.

Was du dir sparen kannst

  • Zahlen bis 10 auswendig pauken. Johanna warnt: Das kann sogar nach hinten losgehen. Ich ergänze aus meiner Arbeit: Wenn dein Kind die Zahlzerlegung nicht kennt und mit der Sprache nicht umgehen kann, hilft es nicht weiter, über die 10 hinaus zu zählen.
  • Arbeitsblätter am Tisch, wenn dein Kind vier oder fünf ist. Johanna hält es für unrealistisch, dass ein Kind in dem Alter still sitzt und ein Blatt ausmalt, ohne über den Rand zu malen. Lernen im Spiel funktioniert besser.

Das sind Johanna Grimms Praxistipps und kein nachgewiesenes Förderprogramm. Sie ersetzen keine Beratung, wenn dir etwas auffällt.

Und wenn mein Kind mehrsprachig aufwächst?

Johanna erklärt, was alle Sprachen gemeinsam haben: Sie greifen auf dieselbe phonologische Bewusstheit zu und auf denselben Arbeitsspeicher. Wenn ein Kind sich Wörter nicht merken kann, egal in welcher Sprache, kann es sich auch in Mathe keine Zwischenergebnisse merken. Und wenn die Sprache nicht richtig sitzt, egal welche, fällt es schwerer, mit mathematischen Handlungen zu arbeiten und sie zwischenzuspeichern.

Wie sich Mehrsprachigkeit und Lernschwierigkeiten zueinander verhalten, erkläre ich im Beitrag Verursacht Mehrsprachigkeit eine Legasthenie / LRS?

Wann lohnt sich Logopädie oder Lerntherapie?

Schau auf das, was zuerst auffällt. Johanna Grimm rät: Hat dein Kind Schwierigkeiten mit Präpositionen, mit dem Satzbau oder mit dem Wortschatz, kannst du bei der Logopädie nachfragen. Meist zeigt sich dort, ob die Sprache insgesamt betroffen ist. Bei Aussprachefehlern allein, etwa einem Lispeln, würde sie eher nicht von einem Mathe-Problem ausgehen. Sind aber viele Laute betroffen oder wird die Lautverwendung auffällig, sollte eine Fachperson genauer hinsehen.

Du musst nicht bei jedem Hinweis sofort in eine Therapie. Vieles lässt sich vorher im Alltag ausprobieren, so wie im Abschnitt zuvor beschrieben. Kommt dein Kind trotzdem nicht voran, oder zeigt es schon im Kindergarten oder in der 1. Klasse Schwierigkeiten mit Zahlen und Mengen, lohnt sich ein genauerer Blick. Dann ist die Lerntherapie ein möglicher Weg, besonders wenn die Sprache unauffällig ist, das Verständnis für Zahlen aber fehlt.

Wie du entscheidest, ob Logopädie oder Lerntherapie besser passt, und wann beides sinnvoll ist, erkläre ich im Beitrag Logopädie oder Lerntherapie: Was braucht mein Kind? Wie eine Diagnose bei Verdacht auf eine Dyskalkulie / Rechenschwäche abläuft, steht im Beitrag Dyskalkulie-Test für Kinder: So läuft die Diagnose ab.

Du bist unsicher, was dein Kind braucht?

Du musst das nicht allein entscheiden. Die Kurzanalyse sagt dir nicht, ob dein Kind Logopädie oder Lerntherapie braucht. Sie hilft dir aber, deine Beobachtungen zum Rechnen zu sortieren. Am Ende bekommst du vom Duden Institut International-Online per E-Mail eine Auswertung deiner Angaben. Sie ersetzt keine Diagnose, zeigt dir aber, ob sich ein genauerer Blick lohnt.

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Häufige Fragen

Welche mathematischen Vorläuferfähigkeiten gibt es?
Zählen, Mengen erfassen, Zahlen verstehen statt nur die Zahlwortreihe aufzusagen, Muster fortsetzen und räumliche Wahrnehmung. Dazu kommen sprachliche Fähigkeiten wie phonologische Bewusstheit, Merken, Wortschatz und Satzbau.

Was muss mein Kind vor der Einschulung in Mathe können?
Johanna Grimm erwartet kein Rechnen. Kinder sollten im Kita-Alter zählen und Mengen erfassen können, je nach Stärken bis etwa 10 oder 20, und verstehen, was Zahlen bedeuten.

Hängen Sprache und Mathe zusammen?
Ja. Eine große Auswertung von 344 Studien fand einen mäßigen Zusammenhang (Peng et al., 2020). Das zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache.

Kann ein Kind mit Sprachentwicklungsstörung Mathe lernen?
Das Risiko für Schwierigkeiten ist im Gruppenvergleich höher (Høgetveit et al., 2026). Johanna Grimm sagt aber auch: Ein Lispeln allein bedeutet nicht automatisch Probleme in Mathe.

Welche Spiele helfen im Kindergarten?
Johanna Grimm nennt aus der Praxis Einkaufsladen spielen, in der Bauecke über Formen sprechen, Dinge sortieren und Handlungen in Worte fassen. Das ist ihre Erfahrung, kein nachgewiesenes Förderprogramm.

Warum fallen Textaufgaben vielen Kindern schwer?
Dein Kind muss die Aufgabe zuerst lesen und verstehen und dann in Mathe übersetzen. Johanna Grimm beschreibt das als Übersetzungsleistung. Lesen ist laut ihr später eine gute Vorhersage für die Mathematikleistung.

Ab wann erkennt man eine Rechenschwäche?
Schwierigkeiten in Mathe im Kindergarten und in der 1. Klasse deuten nach der AWMF-Leitlinie auf ein Risiko hin. Die Leistung schwankt in diesem Alter aber noch und wird erst ab der 2. Klasse stabiler. Mehr dazu steht im Beitrag Dyskalkulie-Anzeichen bei Kindern: Woran du sie erkennst.

Mehr zum Thema in meiner Podcastfolge „Mathe braucht Sprache: Welche Kita-Fertigkeiten den Schulerfolg bestimmen“: Johanna Grimm erklärt, welche Fähigkeiten aus der Logopädie sich auf Mathe auswirken, was schon im Kita-Alter zählt und wie du dein Kind spielerisch begleitest.

Quellen

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (o. J.). S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung, Registernummer 028-046, S. 21. Die Leitlinie wurde seit mehr als 5 Jahren nicht aktualisiert und wird derzeit überarbeitet. register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-046
  • Høgetveit, A. M., Canrinus, E. T., Donolato, E., & Melby-Lervåg, M. (2026). Research Review: Mathematical skills in children with developmental language disorder: a systematic review and meta-analysis. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 67(8), 1442–1453. doi.org/10.1111/jcpp.70138
  • Peng, P., Lin, X., Ünal, Z. E., Lee, K., Namkung, J., Chow, J., & Sales, A. (2020). Examining the mutual relations between language and mathematics: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 146(7), 595–634. doi.org/10.1037/bul0000231
  • Lindner, M., & Grimm, J. (2026). Mathe braucht Sprache: Welche Kita-Fertigkeiten den Schulerfolg bestimmen. Potenzialfrei!?-Podcast, Folge vom 11. August 2026. Aussagen von Johanna Grimm sind Fachmeinung und Praxiserfahrung, keine Studienergebnisse. youtube.com/watch?v=QHNVNA49dGo